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Wirtschaft 05.05.2026, 06:30 Aktualisiert: 05.05.2026, 18:04

Deutsche Winzer zwischen Kostenkrise und Zukunftsmärkten

Produktionskosten stiegen seit dem Ukraine-Krieg um bis zu 30%

Wichtige Fakten

  • Produktionskosten stiegen seit dem Ukraine-Krieg um bis zu 30%
  • 77% des Weins wird von über 55-Jährigen getrunken
  • Marktanteil deutscher Weine liegt bei nur 42%
  • Deutsche Weine sind teurer als Importe durch hohe Lohnkosten
  • EU und Indien planen mittelfristig Zollsenkungen auf Wein

Sinkender Absatz, steigende Kosten

Seit dem Ukraine-Krieg sind die Produktionskosten für deutsche Winzer um bis zu 30 Prozent gestiegen, doch die Verbraucherpreise können nicht im selben Maße angehoben werden. Familie Delp aus Dittelsheim-Heßloch erhält für Fasswein heute oft nur einen Bruchteil der früheren Literpreise von bis zu 1,80 Euro. Auch in der Direktvermarktung liegt die Schmerzgrenze bei sieben bis acht Euro pro Flasche, während viele Kunden im Supermarkt nicht mehr als fünf Euro ausgeben wollen.

Demografie und Importdruck

Die Hochschule Geisenheim beobachtet einen drastischen demografischen Wandel: 77 Prozent des Konsums entfallen auf über 55-Jährige, die allmählich aus dem Markt scheiden. Junge Konsumenten trinken ohnehin weniger Wein. Gleichzeitig beträgt der Marktanteil heimischer Weine nur noch 42 Prozent; Importe aus Frankreich, Spanien oder Italien sind günstiger. Der Deutsche Weinbauverband beklagt zudem die Verunsicherung der Käufer wegen Altersarmutsängsten und allgemeiner Preissteigerungen.

Export und neue Trends als Chance

Winzerin Jana Hauck sucht ihr Heil im Export – beispielsweise nach Indien, wo ein neues EU-Freihandelsabkommen die Zölle von 150 Prozent mittelfristig auf etwa 20 Prozent senken soll. Spitzenverbände wie der VDP raten, über Exzellenz statt Masse zu punkten. Viele Betriebe setzen bereits auf Direktvermarktung, Weinevents und vor allem auf alkoholfreie „Proxy-Weine“. Dieser wachsende Markt bietet Stammkunden ohne Alkoholkonsum eine Alternative. Allerdings wird ein Teil der Rebflächen verschwinden – die Frage nach einer sinnvollen Folgenutzung bleibt offen.

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