Deutschland und Frankreich vertiefen nukleare Kooperation
Wichtige Fakten
- • Im Herbst nehmen deutsche Soldaten erstmals an Nuklearübung teil.
- • Deutschland und Frankreich wollen Abschreckung enger verzahnen.
- • Russlands Drohgebärden und US-Forderungen treiben Kooperation voran.
- • Frankreichs Atomwaffen bleiben unabhängig, aber kompatibel.
Hintergrund und Schritte
Deutschland und Frankreich vertiefen ihre militärische Zusammenarbeit im Bereich der atomaren Abschreckung. Erstmals sollen im Herbst deutsche Soldaten an einer Nuklearübung in Frankreich teilnehmen. Die genauen Modalitäten würden noch geprüft, so Regierungssprecher Stefan Kornelius. Eine strategische Steuerungsgruppe unter Beteiligung von Kanzler Friedrich Merz soll klären, wie die gemeinsame nukleare Abschreckung gestärkt werden kann. Dass Merz das Angebot angenommen hat, gilt als bemerkenswert, da frühere Bundesregierungen derartige Offerten abgelehnt hatten.
Hintergrund
Die bisherige nukleare Abschreckung Europas stützt sich auf die nukleare Teilhabe der NATO, bei der US-Atomwaffen in Deutschland stationiert sind. Diese Struktur soll in der NATO zentral bleiben. Die Kooperation mit Frankreich ergänzt diese um weitere Fähigkeiten. Kanzler Merz betonte, die heutige Welt erfordere neue Antworten angesichts russischer Drohgebärden und der Forderung des US-Präsidenten nach mehr europäischer Eigenverantwortung.
Mögliche Kooperationsfelder
Denkbar sind eine Verzahnung von nicht-nuklearen und atomaren Fähigkeiten, beispielsweise im U-Boot-Bereich oder durch gemeinsame Analyse- und Koordinierungszentren. Bereits ein Luftbetankungsmanöver von Eurofightern und französischen Rafale-Jets, die Atomwaffen tragen können, fand statt. Auch eine temporäre Stationierung französischer Atombomber in Deutschland oder Polen wäre möglich, wie der Experte Andreas Lutsch erläutert.
Einschätzung und Kritik
Sicherheitsexperten sehen in der Annäherung mehr als nur Symbolik, da sie abschreckende Wirkung auf Russland habe und Europa näher zusammenrücke. Allerdings wachsen auch die Arsenale: Frankreich und Großbritannien stocken ihre Bestände auf, und in der NATO wird über zusätzliche US-Atomwaffen in Europa diskutiert.
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