UniCredit erhöht Druck: Übernahmeangebot für Commerzbank sorgt für Börsenrally und politischen Widerstand
Wichtige Fakten
- • UniCredit bietet 0,485 Aktien je Commerzbank-Aktie (≈30,80€) in freiwilligem Tauschangebot.
- • Commerzbank-Aktie springt bis zu 7,6% nach Angebot, lehnt Gespräche mangels Grundlage ab.
- • UniCredit hält bereits 29,9% und will 30%-Hürde überschreiten, um Pflichtangebot zu umgehen.
- • Bundesregierung (≈12% Anteil) und Gewerkschaften lehnen Übernahme als "nicht akzeptabel" ab.
- • DAX stabilisiert sich bei 23.594 Punkten (+0,6%), Übernahmethema überlagert Iran-Krieg-Sorgen.
Marktlage und geopolitische Einflüsse
Der deutsche Leitindex DAX stabilisiert sich am elften Tag des Iran-Krieges und notiert am frühen Nachmittag mit einem Plus von 0,6% bei 23.594 Punkten. Die anhaltenden Kriegshandlungen im Nahen Osten halten die Ölpreise hoch, doch das Übernahmeangebot der UniCredit für die Commerzbank hat das Konfliktthema vorübergehend als dominierendes Börsenthema abgelöst und beflügelt die gesamte Bankenbranche.
UniCredit-Übernahmeangebot für Commerzbank
Die italienische Großbank UniCredit hat am Montag ein offizielles, freiwilliges Übernahmeangebot für die Commerzbank angekündigt. Den Aktionären wird ein Tauschangebot von 0,485 neuen UniCredit-Stammaktien je Commerzbank-Aktie angeboten, was einem Kurs von etwa 30,80 Euro entspricht und die Commerzbank mit rund 34,7 Milliarden Euro bewertet. UniCredit kontrolliert bereits direkt oder über Termingeschäfte 29,9% der Anteile und will mit diesem Manöver die im deutschen Übernahmerecht vorgesehene 30%-Hürde überschreiten, um ein teureres Pflichtangebot zu umgehen. Vor dem Start der Offerte benötigt UniCredit noch die Zustimmung einer außerordentlichen Hauptversammlung bis zum 4. Mai 2026.
Widerstand und Reaktionen
Das Übernahmeangebot stößt auf breite Ablehnung in Deutschland. Die Commerzbank selbst sieht keine Basis für Gespräche, da die Kommunikation der UniCredit keine Informationen zu den Eckpfeilern einer wertstiftenden Transaktion enthalte. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp kritisiert, dass das Angebot faktisch keine Prämie für die Aktionäre biete. Die Bundesregierung, die noch etwa 12% der Anteile hält, lehnt eine feindliche Übernahme als "nicht akzeptabel" ab und betont das Festhalten an einer "starken und unabhängigen Commerzbank". Auch Gewerkschaften wie ver.di warnen vor einem massiven Stellenabbau in beiden Häusern – Commerzbank und HypoVereinsbank.
Börsenreaktionen und Ausblick
Die Commerzbank-Aktie reagierte mit einem Kurssprung von bis zu 7,6% auf das Angebot und war die große Gewinnerin im DAX. UniCredit-Aktien gaben leicht nach. UniCredit-Chef Andrea Orcel betonte, Europa brauche im Wettlauf mit US-Geldhäusern größere Banken, und hofft auf einen "konstruktiven Dialog". Die Übernahme bleibt jedoch feindlich, da das Commerzbank-Management nicht einverstanden ist. Rechtliche Prüfungen durch die Europäische Zentralbank und das Bundeskartellamt stehen noch aus, Experten sehen hier aber kaum Hürden. Der Ausgang ist ungewiss, während der politische Widerstand anhält.
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