Abwanderung deutscher Industrie nach Ungarn: Neueste Zahlen zu Produktionsverlagerung und Kosten
Wichtige Fakten
- • 60% der Unternehmen planen bis 2030 Jobabbau in Deutschland.
- • KACO verlagerte bereits die vierte Maschine nach Ungarn, 174 Stellen abgebaut.
- • Arbeitskosten: Ungarn 15,60 Euro/Std., Deutschland 49,50 Euro.
- • Mercedes sieht Kostenvorteil von 70% im Werk Kecskemét.
- • Chinas Einzelhandelsumsätze steigen nur um 0,6%, Anlageinvestitionen sinken.
KACO: Produktion komplett nach Ungarn verlagert
Die Abwanderung deutscher Industrie gewinnt an Dynamik. Der Dichtungshersteller KACO hat inzwischen vier Maschinenanlagen nach Ungarn verlagert und 174 Arbeitsplätze in der Produktion abgebaut. Bis Ende des Jahres soll die Verlagerung komplett abgeschlossen sein. Als Hauptgründe nennt Geschäftsführer Gernot-Alois Feiel sinkende Gewinnmargen und gestiegene Kosten am Standort Deutschland.
Horvath-Umfrage: Jeder zweite Manager erwartet Personalabbau
Eine Umfrage der Beratung Horvath zeigt: Fast 60% der 1000 befragten Geschäftsführer rechnen bis 2030 mit einer Reduzierung der Belegschaft in Deutschland. Tatsächlich sehen bereits heute viele Unternehmen keine Perspektive mehr: Der letzte Großauftrag von KACO wurde um 10% reduziert. Das Preisniveau wird stärker durch internationale Konkurrenz bestimmt.
Kosten vergleich: Ungarn versus Deutschland
Die Unterschiede bleiben hoch: Ungarische Arbeitskosten belaufen sich auf 15,60 Euro pro Stunde, in Deutschland sind es knapp 50 Euro. Mercedes-Benz senkt seine Kosten im ungarischen Werk durch längere Arbeitszeiten und reduziert zudem den Krankenstand auf weniger als die Hälfte. Deutschland verliure dadurch weiter an Attraktivität – auch bei neuen Investitionen.
Local-for-Local: Neue Werke in Asien, Jobverluste daheim
Hersteller folgen dem Trend, global dezentral zu produzieren. In Indien, China und Nordamerika rechnet mehr als die Hälfte der Firmen mit zusätzlichen Personalstellen. Chinesische Konzerne wie CATL und BYD errichten große Anlagen in Osteuropa und setzen gleichzeitig heimische Industrien unter Druck. Dadurch nehmen auch die traditionellen Export-Beziehungen ab.
Forschung und Entwicklung werden zum Schlüsselfaktor
Expertin Anita Wölfl vom ifo-Institut verweist daraf, dass Innovationen in Deutschland bei Forschung und Entwicklung bleiben sollten. Auch in der KACO-Zentrale bleibt die Entwicklungsabteilung in Baden-Württemberg: Ihre Kreativität sei im internationalen Vergleich top und soll künftig und trotz Produktionswanderung gestärkt werden.
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