Israelische Soldaten verhindern medizinische Hilfe für verletzten palästinensischen Jungen
Wichtige Fakten
- • 14-jähriger palästinensischer Junge in Westjordanland von IDF-Soldaten angeschossen.
- • Soldaten blockierten palästinensische Rettungswagen 35 Minuten lang am Einsatzort.
- • IDF behauptet, Junge habe Steine geworfen; Familie spricht von Beweisfälschung.
- • Israel hält Leichnam des Jungen zurück und verweigert Details zu Verletzungen.
- • UN zählte 2023 55 getötete Kinder durch israelische Kräfte im Westjordanland.
Vorfall im Flüchtlingslager al-Far'a
Im November wurde der 14-jährige palästinensische Junge Jad Jadallah im Flüchtlingslager al-Far'a im besetzten Westjordanland von israelischen Soldaten aus nächster Nähe angeschossen. Laut Videoaufnahmen und Zeugenaussagen verweigerten 14 Soldaten dem Jungen über 45 Minuten lang lebensrettende medizinische Hilfe, während er aus einer oder mehreren Schusswunden blutete. Die israelischen Streitkräfte (IDF) gaben an, "erste medizinische Behandlung" geleistet zu haben, verweigerten jedoch Details zu Art und Zeitpunkt der Behandlung.
Blockade von Rettungskräften
Palästinensische Rettungswagen wurden von den Soldaten mit vorgehaltenen Waffen am Einsatzort blockiert, obwohl Jad nur etwa hundert Meter entfernt lag. Der leitende Sanitäter Hassan Fouqha berichtete, sein Team habe mindestens 35 Minuten hilflos zugesehen, wie der Junge verblutete. Ein zweiter Rettungswagen, der aus einer anderen Richtung kam, wurde ebenfalls gestoppt. Die IDF behauptete, die Behandlung sei erst nach der Überprüfung auf versteckte Sprengsätze erfolgt, obwohl Jad nur ein T-Shirt und Jeans trug.
Vorwürfe der Beweisfälschung
Die IDF beschuldigte Jad, Steine geworfen und einen Angriff versucht zu haben, was unter ihren Einsatzregeln tödliche Gewalt rechtfertigen kann. Allerdings zeigt Videoaufnahmen einen Soldaten, der einen schweren Gegenstand neben den verletzten Jungen legt und davon ein Foto macht. Jads Familie und Menschenrechtsgruppen wie B'Tselem werfen den Soldaten vor, Beweise zu fälschen, um die Schießerei zu rechtfertigen. Die IDF ignorierte entsprechende Nachfragen der BBC.
Ungeklärte Umstände und Leichenrückgabe
Viele Details zu Jads Tod bleiben unklar, darum wie oft und wo er getroffen wurde und wann er starb. Die IDF weigert sich, den Leichnam an die Familie zurückzugeben und detaillierte Fragen zum Vorfall zu beantworten. Israel hält derzeit die Körper von 776 Palästinensern oder anderen Staatsangehörigen zurück, die Angriffe verdächtigt oder begangen haben sollen. Jads Mutter Safa vermutet, dass die IDF entweder etwas verbergen will oder gezielt Grausamkeit ausübt.
Hintergrund und regionale Spannungen
Jad wuchs im Flüchtlingslager al-Far'a auf, das wie andere Lager im besetzten Gebiet häufigen israelischen Militärrazzien unterliegt. Laut UN wurden 2023 55 Kinder von israelischen Kräften im Westjordanland getötet, seit dem Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023 sind es 227. Der Fall hebt sich durch die lange Verzögerung der Hilfe und die umfangreichen Videoaufnahmen ab, die die BBC verifiziert hat. Die Spannungen im Nahen Osten bleiben hoch, mit Reisewarnungen und Evakuierungen aufgrund der angespannten Beziehungen zwischen den USA und dem Iran.
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