Junge Generation fühlt sich politisch nicht gehört
Wichtige Fakten
- • DIW-Präsident Fratzscher kritisiert ungleiche Lastenverteilung zu Ungunsten Jüngerer.
- • Frühstartrente mit zehn Euro pro Kind startet nur ab Jahrgang 2020.
- • BAföG-Novelle und geplante Wohnkostenerhöhung sind unsicher.
- • Bei der Bundestagswahl 2025 waren nur 3,9% Erstwähler.
Stimmungslage der Jugend
Bundeskanzler Friedrich Merz beschwört auf dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum die Zuversicht für die junge Generation. Doch in Umfragen und Interviews zeigt sich ein konträres Bild: Junge Menschen fühlen sich nicht gehört und bezweifeln, ob sie sich jemals ein Haus leisten können. DIW-Präsident Marcel Fratzscher gibt ihnen recht: Die Liste der Ungerechtigkeiten reiche von der Umweltzerstörung über ungleiche Bildungschancen bis zur Rente. Besonders kritisiert er die geplante Rentengarantie, die die versprochene Dämpfung des Nachhaltigkeitsfaktors aushebelt.
Reformstau und Kürzungen
Die schwarz-rote Koalition hat zwar ein Rentenpaket beschlossen, das das Niveau bis 2031 stabil hält, sowie die Frühstartrente von zehn Euro pro Kind für ein Aktiendepot – doch die Förderung startet nur jahrgangsweise für ab 2020 geborene Kinder. Auch die BAföG-Novelle wackelt wegen Sparvorgaben, die Wohnkostenpauschale soll nicht wie geplant steigen. Zudem gibt es Sorgen um Kürzungen beim Elterngeld und Kritik an der Pflegereform, die auch Jüngere belasten würde.
Demografie als politisches Problem
Die Altersstruktur des Wählerklientels begünstigt ältere Generationen: Bei der BTW 2025 waren nur 3,9% Erstwähler, aber über 42% der Wähler über 60. Im Parlament sind nur 32 Abgeordnete unter 30. Generationenforscher Jörg Tremmel spricht von einem Dilemma: Politiker tendieren dazu, Probleme in die Zukunft zu verschieben, um Wiederwahlrisiken zu vermeiden. Die Jugendorganisationen der Koalition haben unterschiedliche Vorstellungen von Generationengerechtigkeit: Die JU setzt auf Nachhaltigkeitsfaktor in der Rente, die SPD-Jugend fordert eine Bürgerversicherung für alle.
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