Expertenkommission legt Reformvorschläge mit 42 Milliarden Euro Sparpotenzial vor
Wichtige Fakten
- • Die Expertenkommission empfiehlt 66 Maßnahmen mit bis zu 42 Mrd. Euro Sparpotenzial für 2027.
- • Das größte Einsparpotenzial (19 Mrd. Euro) liegt bei Leistungserbringern wie Praxen und Kliniken.
- • Der Bund könnte durch Übernahme versicherungsfremder Leistungen 12 Mrd. Euro beitragen.
- • Patienten sollen durch höhere Zuzahlungen und Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung belastet werden.
Finanzielle Schieflage der Krankenkassen
Die gesetzlichen Krankenkassen stecken in massiven finanziellen Schwierigkeiten, mit einer erwarteten Finanzlücke von 12 bis 15 Milliarden Euro im kommenden Jahr. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat eine Expertenkommission eingesetzt, die heute Vorschläge für eine Finanzreform vorgestellt hat. Die Kommission legte einen Bericht mit 66 Empfehlungen vor, die für 2027 ein Volumen von bis zu 42 Milliarden Euro ausmachen könnten, womit das Sparpotenzial höher liegt als die erwartete Finanzlücke.
Drei politische Hebel zur Reform
Die Politik hat im Prinzip drei große Hebel: Einnahmen steigern, Ausgaben senken oder das vorhandene Geld anders verteilen. Die SPD schlägt eine Gesundheitsabgabe auf Kapitalerträge oder Mieten vor, während TK-Chef Jens Baas warnt, dass höhere Beiträge für Besserverdienende diese in die private Krankenversicherung treiben könnten. Ausgabensenkungen könnten zu Kürzungen bei Leistungen, Pharmaherstellern oder Ärztehonoraren führen, wovor die Kassenärztliche Vereinigung warnt, da dies die Patientenversorgung beeinträchtigen könnte.
Konkrete Vorschläge der Expertenkommission
Das größte Einsparpotenzial von 19 Milliarden Euro sieht die Kommission bei Leistungserbringern wie Praxen und Kliniken, wobei Vergütungen nicht stärker steigen sollten als die Einnahmen. Weitere 12 Milliarden Euro könnten durch eine volle Übernahme versicherungsfremder Leistungen durch den Bund erbracht werden, etwa bei der Versorgung von Bürgergeldempfängern. Patienten sollen durch höhere Zuzahlungen von bis zu 15 Euro und die Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnern belastet werden, was weitere 4,1 Milliarden und 4,8 Milliarden Euro einbringen könnte.
Reaktionen und politische Herausforderungen
Die gesetzlichen Krankenkassen begrüßten die Vorschläge und betonten das Potenzial für stabile oder gesenkte Beiträge. Gesundheitsministerin Warken versprach eine genaue Prüfung und zeitnahe gesetzliche Änderungen, während die Regierungsparteien zügiges Handeln ankündigten. Die Linke kritisierte die Empfehlungen als ungerecht und forderte eine Umverteilung, während die Grünen sich auf die Senkung von Ineffizienzen konzentrieren wollen. Die Reformarbeit beginnt nun intensiv, um die Finanzlücke zu schließen und Beitragserhöhungen zu vermeiden.
Das könnte Sie auch interessieren
Kein Briefing mehr verpassen
Das Wichtigste des Tages jeden Morgen direkt ins Postfach.