Misshandlungen in evangelikaler Gemeinschaft: Aussteiger berichten von Gewalt und Angst
Wichtige Fakten
- • Kwasizabantu-Mission: Kinder wurden geschlagen und gedemütigt mit Scheitelknien.
- • Prediger-Familie in Bayern praktizierte jahrelang körperliche Züchtigung als Erziehung.
- • Internatsleiter Hans Koller soll Mädchen mit Gürtel geschlagen haben; er äußerte sich nicht.
- • Trotz formaler Auflösung in Deutschland existiert wohl eine geheime Gemeinde in Baden-Württemberg.
- • Quellen berichten von Livestream-Gottesdiensten aus Südafrika und strengen Regeln vor Ort.
Die evangelikale Missionsgemeinschaft Kwasizabantu steht im Zentrum schwerwiegender Vorwürfe ehemaliger Mitglieder aus Deutschland. In einem Bericht von tagesschau.de und des BR schildern Rebecka und Benni ihre Kindheit in einer Predigerfamilie in Oberbayern. Sie berichten von regelmäßigen Schlägen mit Hand, Kochlöffel oder Gürtel sowie der Demütigungsmethode des „Scheitelknies“, bei der Kinder mit bloßen Knien auf der Kante eines Holzscheits knien mussten. Ziel der Erziehung sei gewesen, den „Willen des Kindes zu brechen“. Die Familie gehörte zur südafrikanischen Kwasizabantu-Mission, die in den 1970ern durch Missionar Erlo Stegen bekannt wurde. Nach ihrer Darstellung lernten die Kinder ein Bild von Gott als strafenden Richter, verstärkt durch Filme über Höllenqualen.
Rebecka besuchte ein Internat in der Schweiz, in dem der Leiter Hans Koller ihr nach einer angeblichen sexuellen Anschuldigung in seinem Schlafzimmer befohlen haben soll, sich zu entblößen und ausgepeitscht zu werden. Ein Vorfall mit einer versehentlich gedrehten Waschmaschine endete ebenfalls mit Gürtelhieben auf das nackte Gesäß. Koller verweigerte dem BR eine Stellungnahme.
Obwohl die Gemeinde, zu der Rebeckas Familie gehörte, aufgelöst worden ist und sich Kwasizabantu formal aus Deutschland zurückgezogen hat, deuten Recherchen des BR darauf hin, dass die Bewegung im Verborgenen weiterlebt. In einer Gemeinde in Baden-Württemberg soll sich regelmäßig ein kleiner Kreis von Familien an geheimen Gottesdiensten beteiligen, strengen Kleidervorschriften folgen und Online-Übertragungen aus Südafrika verfolgen. Die Reaktionen der Verantwortlichen vor Ort schlossen sich in Abwendungshandlungen: Rechercheure vor einer nahegelegenen Tür wurden abgewimmelt, fast zeitgleich fielen die Rollläden am Anwesen herab; eine Auswertung unabhängiger mehrspuriger Hinweise verdichtet sich bislang nicht zur Sicherstellung rechtlich verwertbarer Belege.
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