Neuseeland macht Englisch zur Amtssprache: Kritik an 'sinnlosem' Gesetz
Wichtige Fakten
- • Gesetz macht Englisch neben Māori und Gebärdensprache zur Amtssprache.
- • 95 % der Neuseeländer sprechen bereits Englisch.
- • Koalitionsvertrag zwischen National und New Zealand First initiierte das Gesetz.
- • Grüne und Te Pāti Māori stimmten dagegen.
- • Justizministerium riet wegen fehlender Bedrohung von dem Gesetz ab.
Hintergrund: Englisch wird Amtssprache in Neuseeland
Neuseeland hat die englische Sprache offiziell als Amtssprache anerkannt. Das entsprechende Gesetz trat Ende Juli ohne viel Unterstützung in der Bevölkerung in Kraft. Damit hat Englisch denselben Rang wie Te Reo Māori und die neuseeländische Gebärdensprache. Das Vorhaben geht auf eine Koalitionsvereinbarung zwischen der Mitte-Rechts-Partei National und der populistischen New Zealand First unter Winston Peters zurück, der immer wieder gegen Forstrechte und spezielle Rechte der Māori argumentiert hat.
Kritik: Sinnloses Gesetz – Sprache nicht bedroht
Das Justizministerium hatte den Abgeordneten eigentlich empfohlen, das Gesetz abzulehnen, da es keinerlei Belege für angebliche Bedrohungen des Englischen gebe. Die Sprache werde von 95 % der Bevölkerung gesprochen, meinen Linguisten. Die einheimische Grünen-Abgeordnete Tamatha Paul nannte das Gesetz in einer mittlerweile viral gegangenen Rede eine „klägliche Respektlosigkeit“ gegenüber dem Haus. Ihr Parteikollege, Professor Dean Knight von der Universität Wellington, sprach von einem „sinnlosen Vorhaben“, das weder rechtlich noch praktisch irgendetwas verändere. Auch Sprachwissenschaftler weisen darauf hin, dass Statusgesetze Sprache schützen, die tatsächlich bedroht seien. Das englische Gesetz sei parteipolitischer Aktionismus.
Internationale Wahrnehmung: Nebenkriegsschauplatz im Kulturkampf
International sorgt die Entscheidung für ein kurioses Echo, gerade weil sie auf einen inneren Kulturkonflikt um die Privilegien der Māori zurückgehen dürfte. „Manche Leute sehen den Namen Aotearoa, wie Neuseeland auf Māori heißt, und riechen persönliche Nachteile…“, kommentierte das Online-Magazin halbfest aus Sydney. Abseits der symbolischen Politik dominieren im Land weiter drängende sozialpolitische Verteilungskämpfe: Kinderarmut, Gesundheits- und Mietenexplosion in Auckland sind unabweichende Themen.
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