Psychotherapie vor ungewisser Zukunft: GKV-Sparpaket sorgt für Wirbel
Wichtige Fakten
- • Psychotherapie-Leistungen werden künftig budgetiert.
- • Das Mindesthonorar und die Angemessenheitsprüfung fallen weg.
- • 2024 hatten 40,9% der GKV-Versicherten eine psychische Störung.
- • Verbände befürchten steigende Wartezeiten und weniger Therapieplätze.
Hintergrund der Reform
Die Bundesregierung will mit der Reform der gesetzlichen Krankenversicherung die Ausgaben im Gesundheitswesen begrenzen. Künftig werden psychotherapeutische Leistungen budgetiert. Fachverbände befürchten, dass dadurch weniger Therapiestunden für gesetzlich Versicherte zur Verfügung stehen könnten. Zudem wird das Mindesthonorar sowie die sogenannte Angemessenheitsprüfung abgeschafft, was laut Branche die Honorarsituation der Therapeuten verschlechtert.
Reaktionen aus der Praxis
Psychotherapeut Mark Alcock zeigt sich alarmiert: „Ich arbeite drei Monate und erfahre dann sechs Monate später, wie viel Prozent meiner Arbeit bezahlt wird.“ Er erwägt, vermehrt Privatpatienten zu behandeln oder Coaching anzubieten. Die Unsicherheit über die Vergütung ab 2027 setzt die Praxen unter Druck. In seiner Praxisgemeinschaft kündigen bereits Kolleginnen, um nur noch Privatleistungen anzubieten.
Einschätzung eines Gesundheitsökonoms
Gesundheitsökonom Michael Wessels hält die Budgetierung für nachvollziehbar, da die GKV unter erheblichem finanziellen Druck stehe. Ein festes Budget könne helfen, sich auf dringliche Fälle zu konzentrieren und sei zudem ein Beitrag zur Qualitätssicherung. Er erwartet keine massive Abwanderung zu Privatpatienten, da nur etwa zehn Prozent der Bevölkerung privat versichert sind. Allerdings räumt er ein, dass der steigende Bedarf psychotherapeutischer Leistungen nicht ausreichend berücksichtigt werde.
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