Russlands Rekrutierungsproblem: Droht eine neue Mobilmachung?
Wichtige Fakten
- • Russland verliert monatlich über 30.000 Soldaten gefallen und verwundet.
- • Freiwillige Rekrutierung verlangsamt sich; 1.000 Soldaten täglich neu angeworben.
- • Regionale Behörden setzen zunehmend Zwang bei der Rekrutierung ein.
- • 2022 Mobilmachung löste Massenexodus und Popularitätsverlust Putins aus.
- • Moskau zielt auf Randgruppen wie Verschuldete und Straftäter ab.
Hintergrund: Russlands wachsender Personalbedarf
Nach fast fünf Jahren Krieg meldet Russland monatlich über 30.000 Verluste an Toten und Verwundeten. Der Bedarf an neuen Soldaten ist immens, doch die Freiwilligenmeldungen gehen zurück. Die Rekrutierung von rund 1.000 Soldaten pro Tag, wie der Russland-Experte Janis Kluge berechnet, dient laut der Analyse oft nur dazu, die Lücken in den bestehenden Einheiten zu schließen, nicht die Offensivkraft zu erweitern.
Rekrutierungspraxis
In Russland werden die Bemühungen intensiviert, insbesondere in armen Regionen werden hohe Boni und Gehälter geboten. Doch es mehren sich Berichte über zunehmend zwangsweise Rekrutierung: Männer werden auf der Straße aufgegriffen, von Arbeitsplätzen geholt oder zu Militärbüros gebracht, um Verträge zu unterschreiben. Aktivisten sprechen von einer Jagd auf Menschen; Schule sollen Studenten für Drohneneinheiten anwerben, und sogar Straftäter können sich nun verpflichten.
Systeme und Anreize
Um Ziele zu erfüllen, schaffen Regionen eigene Anreizsysteme: Prämien für angeworbene Freiwillige, lukrative Verträge für alle, die neue Soldaten bringen. Die privaten Rekrutierungsfirmen stehen unter Druck, monatliche Quoten zu erfüllen. Der Rekrutierungsoffizier berichtet, dass es zunehmend schwerer fällt, seine Zielmarke zu erreichen.
Politische Risiken
Eine neue Mobilmachung wie 2022 könnte erneut zu Massenprotesten, Fluchtbewegungen und einem Vertrauensverlust in die Regierung führen. Die Zustimmung zum Krieg hat laut Umfragen abgenommen. Kremlkritiker halten die derzeitige Rekrutierung für zu wenig und erwarten, dass Putin irgendwann mobilmachen muss – ob vollständig oder selektiv, bleibt fraglich.
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