Spaniens Gesundheitswesen: Kostengünstig, aber unter Privatisierungsdruck
Wichtige Fakten
- • Spaniens Gesundheitsausgaben pro Kopf: 2.000 Euro, Deutschland: 5.000 Euro
- • Wartezeiten für Hausarzttermine können über zwei Wochen betragen
- • Private Träger betreuen in Madrid 5 von 35 öffentlichen Krankenhäusern
- • Das System finanziert sich aus Steuern, nicht aus Krankenkassenbeiträgen
- • Proteste gegen Privatisierung in Städten wie Madrid und Barcelona
Zusammenfassung
Spaniens staatliches Gesundheitssystem ist im europäischen Vergleich deutlich günstiger als das deutsche, mit öffentlichen Ausgaben von rund 2.000 Euro pro Kopf gegenüber 5.000 Euro in Deutschland, und weist trotzdem bessere Gesundheitsindikatoren wie Lebenserwartung auf. Das System, das sich aus Steuermitteln finanziert und allen Gemeldeten, einschließlich Einwanderern ohne Papiere, Zugang bietet, steht jedoch unter Druck durch zunehmende Privatisierungstendenzen, bei denen Regionen private Träger beauftragen, was zu Misstrauen und Protesten führt.
Proteste und Herausforderungen
Seit Wochen demonstrieren Tausende in Städten wie Madrid, Barcelona und Valencia gegen längere Wartezeiten, z.B. bis zu zwei Wochen für Hausarzttermine oder ein Jahr für Ultraschalluntersuchungen, und gegen die schleichende Privatisierung von Leistungen wie Labortests oder Computertomographie. Kritiker befürchten, dass private Unternehmen Gewinne über Patienteninteressen stellen, was durch Vorfälle wie Anweisungen zur Kosteneinsparung in Krankenhäusern verstärkt wird, obwohl bisher nur wenige öffentliche Krankenhäuser vollständig privatisiert sind.
Debatte und Zukunft
Gesundheitsökonomin Rosa Urbanos betont, dass die Debatte oft vereinfacht wird, aber die breite Beteiligung der Bevölkerung zeigt, dass das Gesundheitssystem als zentraler Bestandteil des Wohlfahrtsstaats angesehen wird. Trotz der aktuellen Probleme bleibt das System kosteneffizient und zugänglich, während die Proteste Forderungen nach einem öffentlichen Fachärztezentrum und einem System ohne privatwirtschaftliche Interessen hervorheben.
Das könnte Sie auch interessieren
Kein Briefing mehr verpassen
Das Wichtigste des Tages jeden Morgen direkt ins Postfach.