Volksparteien im Osten: Vertrauensverlust und Wählerwanderung
Wichtige Fakten
- • Bei der Bundestagswahl 1994 erzielten CDU und SPD in Ostdeutschland 70 Prozent.
- • 2025 kamen die Parteien im Osten nur noch auf rund 30 Prozent.
- • Der Vertrauensverlust begann laut ARD-Doku in den ersten Nachwendejahren.
- • Fehlende Repräsentation von Ostdeutschen in Führungspositionen befeuerte die Krise.
- • Die AfD profitiert als neue ‚Volkspartei im Osten‘ von der Lücke.
- • Die Autoren sehen einen 'verweigerten Dialog' als kritischen Faktor an.
Vertrauensverlust in Ostdeutschland
In Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin stehen Landtagswahlen an – für CDU und SPD zeichnen sich schwierige Wahlkämpfe ab. Eine ARD-Doku mit dem Titel „Volksparteien ohne Volk“ untersucht, warum die Volksparteien im Osten in der Krise stecken. 1994 kamen sie bei der Bundestagswahl zusammen auf 70 Prozent, bei der letzten Wahl 2025 nur noch auf rund 30 Prozent. „Viele stellen die Frage, warum die AfD gewinnt. Wir wollten sie umdrehen: Warum haben CDU und SPD verloren?“, so Autor Jan N. Lorenzen.
Ursachen: Enttäuschungen und Dialogverlust
Die Doku betont, dass der Vertrauensverlust schon in den ersten Nachwendejahren begann – etwa beim erfolglosen Hungerstreik der Kali-Kumpel 1993 in Bischofferode oder ignorierten Volksbefragungen zur Länderzugehörigkeit 1990. Auch die mangelnde Präsenz von Ostdeutschen in Spitzenpositionen in CDU und SPD wird kritisiert. Autorin Jana Hensel sieht die „westdeutsch geprägten Parteien“ als Grund, dass man nicht zueinander fand.
Migrationspolitik als Katalysator
Neben Versäumnissen der Nachwendezeit diagnostiziert die Doku einen „verweigerten Dialog“ bei Themen wie der Migrationspolitik. Bereits während des Jugoslawien-Kriegs seien Kommunalpolitiker mit Sorgen ungehört geblieben. In der Flüchtlingskrise 2015, besonders bei Ausschreitungen in Heidenau, habe sich das Muster wiederholt – die damalige Kanzlerin Merkel stieß dort auf Protest. Laut ARD-Doku war dieser Politikansatz der Endpunkt einer Entfremdung zwischen Ostdeutschen und ihrer Kanzlerin. Derzeit stellen CDU oder SPD immer noch die Regierungschefs in allen ostdeutschen Ländern, doch Minderheitsregierungen zeigen die schwierige Lage.
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