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International 26.03.2026, 02:48 Aktualisiert: 26.03.2026, 23:03

US-Gericht verurteilt Meta und Google wegen Social-Media-Sucht - Präzedenzfall mit globalen Folgen

US-Gericht verurteilte Meta und Google zu 6 Millionen Dollar Schadenersatz und Bußgeld.

Wichtige Fakten

  • US-Gericht verurteilte Meta und Google zu 6 Millionen Dollar Schadenersatz und Bußgeld.
  • Klägerin K.G.M. litt laut Gericht durch suchtfördernde Plattform-Designs an Depressionen und Angstzuständen.
  • Meta und Google bestreiten Vorwürfe und planen Berufung gegen das wegweisende Urteil.
  • Urteil umging US-Rechtsschutz durch Fokus auf Plattform-Design statt Inhalte - Präzedenzfall.
  • Über tausend ähnliche Klagen in USA anhängig, EU prüft TikTok-Verstöße gegen Digital Services Act.

Urteil mit Signalwirkung für Tech-Branche

Ein US-Gericht in Los Angeles hat erstmals Online-Plattformen wegen Social-Media-Sucht verurteilt, was Juristen als "Paukenschlag" für die gesamte Branche bezeichnen. Die Geschworenen sprachen der 20-jährigen Klägerin K.G.M. ein Schmerzensgeld von drei Millionen Dollar zu und verhängten zusätzlich ein Bußgeld in gleicher Höhe zur Abschreckung, sodass Meta und Google insgesamt 6 Millionen Dollar zahlen müssen. In der Urteilsbegründung hieß es, die Konzerne hätten fahrlässig gehandelt, da sie wussten oder wissen mussten, dass ihre Dienste eine Gefahr für Minderjährige darstellen, und Nutzer nicht ausreichend vor Risiken warnten.

Neuer juristischer Ansatz umgeht US-Rechtsschutz

Die Anwälte der Klägerin wählten eine innovative Strategie, indem sie nicht die Inhalte der Plattformen angriffen, sondern deren Gestaltung durch Funktionen wie endloses Scrollen, Autoplay und algorithmische Empfehlungen, die bewusst süchtig machen sollen. Damit umgingen sie den Abschnitt 230 des US-Kommunikationsgesetzes, der Plattformen bisher vor Haftung für Nutzerinhalte schützte. Experten wie Digital-Fachanwalt Christian Solmecke betonen, dieser Fokus auf das Produktdesign sei entscheidend und schaffe einen Präzedenzfall, der mit den Klagen gegen die Tabakindustrie in den 1990er Jahren vergleichbar ist.

Globale Reaktionen und regulatorische Entwicklungen

Das Urteil löst international Diskussionen über strengere Regulierung von Social Media aus, wobei in den USA bereits über tausend ähnliche Klagen anhängig sind, die Schmerzensgeld-Zahlungen in Milliardenhöhe nach sich ziehen könnten. In der EU ergreift die Kommission unterdessen eigene Maßnahmen: Der Digital Services Act verpflichtet große Plattformen zu Risikoanalysen und Maßnahmen gegen systemische Gefahren, einschließlich negativer Auswirkungen auf die psychische Gesundheit Minderjähriger. Im Februar 2026 stellte die EU-Kommission vorläufig fest, dass TikTok mit suchtfördernden Funktionen gegen den DSA verstößt, wobei Bußgelder von bis zu 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes drohen.

Rechtliche Auseinandersetzungen und Unternehmensreaktionen

Meta und Google wiesen die Vorwürfe zurück und kündigten Berufung an. Meta argumentierte, die psychische Gesundheit von Heranwachsenden sei komplex und nicht allein auf eine App zurückzuführen, während Google betonte, YouTube gehöre nicht zur Kategorie sozialer Medien und die Klägerin habe die Plattform nur wenig genutzt. Bereits einen Tag vor diesem Urteil wurde Meta in einem separaten Verfahren in New Mexico zu einer Strafe von 375 Millionen Dollar verurteilt, auch hier plant das Unternehmen Berufung. Snapchat und TikTok, ursprünglich ebenfalls verklagt, hatten sich vor Prozessbeginn auf einen Vergleich mit der Klägerin geeinigt.

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