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Politik 23.06.2026, 03:24 Aktualisiert: 23.06.2026, 15:01

Zehn Jahre Brexit: Bilanz einer Zäsur – wirtschaftliche Verluste, politische Instabilität und die Renaissance des Finanzplatzes Frankfurt

58% der Briten halten den Brexit laut Umfragen für einen Fehler.

Wichtige Fakten

  • 58% der Briten halten den Brexit laut Umfragen für einen Fehler.
  • Brexit verursachte einen Wirtschaftsschaden von sechs bis acht Prozent Pro-Kopf-Wachstum.
  • Rund 60 Banken siedelten sich in Frankfurt an, 15.000 Arbeitsplätze entstanden.
  • Das Handelsvolumen Bayerns mit Großbritannien liegt 20% unter VOR-Brexit-Niveau.
  • 2027 nimmt Großbritannien wieder am Erasmus-Programm teil.

Zehn Jahre nach dem Brexit-Referendum

Am 23. Juni 2016 stimmten die Briten mit 51,9% für den Austritt aus der Europäischen Union. Der damalige EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker erinnert sich, dass er den Austritt vorausgesehen hatte: Die britische Regierung habe die EU stets als Wirtschaftsraum betrachtet und sich nie für die politische Integration interessiert. Die Leave-Kampagne unter Boris Johnson und Nigel Farage war von Halbwahrheiten und Lügen geprägt. Heute bewerten 58% der Briten den EU-Austritt als Fehler.

Politische Instabilität in Großbritannien

Seit dem Referendum wechselten sich sechs Premierminister in zehn Jahren ab – ein Rekord an Instabilität für das einst stabile Land. Experten wie Jonathan Portes vom King's College London führen dies unter anderem auf den Brexit zurück, da die versprochene „Rückgewinnung der Kontrolle“ die strukturellen Probleme nicht gelöst habe. Populistische Parteien wie Reform UK unter Nigel Farage ziehen aus der Unzufriedenheit Nutzen und liegen derzeit in Umfragen vorn.

Wirtschaftliche Folgen für Großbritannien und Deutschland

Der Export in die EU fiel um 12%, das Pro-Kopf-Wachstum ist um 6–8% niedriger. Für die deutsche Wirtschaft bedeutete der Brexit einen Handelsrückgang: Großbritannien rutschte vom fünften auf einen Platz unter den Top Ten der Handelspartner ab. Bayerische Unternehmen beklagen ein um 20% niedrigeres Handelsvolumen. Branchen wie Landwirtschaft und Fischerei leiden besonders. Die Nürnberger Spedition Amm erlebte chaotische Zustände mit Lkw-Staus und Zollbürokratie.

Frankfurt als Gewinner des Brexit

Der Finanzplatz Frankfurt profitierte vom Brexit: Rund 60 Banken siedelten sich seit 2016 an, 15.000 Arbeitsplätze entstanden, und die Bankaktiva stiegen um 1,3 Billionen Euro. Die Stadt verzeichnet zusätzliche Steuereinnahmen von rund 2,5 Milliarden Euro. Frankfurt ist nun der führende Finanzplatz in der EU, bleibt aber hinter dem globalen Zentrum London auf Platz 2 zurück. Der Kampf um verlagerte Geschäfte bleibt knapp, da Paris zuletzt aufholte.

Erste zaghafte Annäherung an die EU

Premierminister Starmer verfolgt eine pragmatische Annäherung an die EU. Mit dem Beschluss, 2027 wieder am Erasmus-Programm teilzunehmen, zeigt sich ein erster Erfolg. Eine Rückkehr in die EU in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren sehen ehemalige Spitzenpolitiker jedoch skeptisch. Professor Stephan Fröhlich verweist auf die unverändert schwierige politische Lage in Großbritannien und rechtspopulistische Strömungen, die den Weg zurück versperren.

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