Zeitumstellung: Wissenschaftliche Erkenntnisse zu gesundheitlichen Auswirkungen
Wichtige Fakten
- • 84% der EU-Bürger lehnen Zeitumstellung laut Umfrage ab.
- • Schlafforscher warnen vor gestörtem Biorhythmus und Schlafmangel.
- • Herzinfarkt- und Unfallrate steigen nach Zeitumstellung an.
- • Menschlicher Stoffwechsel variiert je nach Jahreszeit deutlich.
- • Experten lehnen dauerhafte Sommerzeit aus Gesundheitsgründen ab.
Forschungsergebnisse zur Zeitumstellung
Die Zeitumstellung von Normal- auf Sommerzeit führt zu messbaren gesundheitlichen Auswirkungen. Laut Schlafforscherin Eva Winnebeck von der University of Surrey verursacht der Wechsel zunächst eine Stunde Schlafverlust, da Menschen nicht einfach früher einschlafen können, aber morgens früher aufstehen müssen. Dies führt zu Konzentrationsproblemen, erhöhter Unfallrate und einem Anstieg von Herzinfarkten in den Tagen nach der Umstellung. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafmedizin und die British Sleep Society kommen in einem Positionspapier zum selben Schluss: Der Biorhythmus und die Schlafqualität leiden unter der Uhrenumstellung.
Langfristige Effekte und physiologische Anpassungen
Langfristige Untersuchungen sind schwierig, da sich mit der Zeitumstellung auch äußere Faktoren wie Tageslänge und Temperatur ändern. Schlafmediziner Dieter Kunz vom St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin weist darauf hin, dass der menschliche Stoffwechsel im Winter deutlich geringer ist als im Sommer – der Mensch befinde sich im Winter in einer Art "Energiesparmodus" und schlafe länger. Studien im Schlaflabor zeigen, dass gesunde Menschen im Sommer fast eine Stunde weniger schlafen als im Winter, unabhängig von der Uhrzeit. Kunz argumentiert, dass die Zeitumstellung der menschlichen Physiologie entgegenkommt, da sich der Mensch im Winter anders verhält als im Sommer.
Expertenpositionen und Alternativen
Fachgesellschaften plädieren für eine dauerhafte Winter- oder Normalzeit. Sollte dies nicht möglich sein, halten Experten wie Winnebeck die aktuelle Zeitumstellung für die zweitbeste Lösung. Einhellig abgelehnt wird eine permanente Sommerzeit, da dabei über einen großen Teil des Jahres zu wenig Tageslicht verfügbar wäre – und an diesem orientieren sich unsere inneren Uhren, nicht an der angezeigten Uhrzeit. Eine nicht-repräsentative EU-Umfrage von 2018 ergab, dass 84 Prozent der Menschen die Zeitumstellung abschaffen wollen.
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