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Inland 01.04.2026, 04:01 Aktualisiert: 01.04.2026, 23:02

Zwei Jahre Teillegalisierung: Kontroverse Bilanz trotz stabiler Konsumzahlen

Seit April 2024 dürfen Erwachsene 25g Cannabis besitzen und 3 Pflanzen anbauen.

Wichtige Fakten

  • Seit April 2024 dürfen Erwachsene 25g Cannabis besitzen und 3 Pflanzen anbauen.
  • Rund 5 Millionen Menschen in Deutschland konsumieren gelegentlich Cannabis.
  • Der Schwarzmarkt ist laut Studie leicht rückläufig, aber nicht verschwunden.
  • Sicherheitsbehörden stellten 2025 Rekordmengen an Cannabis sicher.
  • Ein Abschlussbericht zur Gesetzeswirkung ist für 2028 geplant.

Zwei Jahre nach Einführung

Seit dem 1. April 2024 ist Cannabis in Deutschland teillegalisiert: Erwachsene dürfen bis zu 25 Gramm besitzen und bis zu drei Hanfpflanzen privat anbauen. Die zweite Zwischenbilanz der wissenschaftlichen Begleitforschung zeigt, dass sich die Konsumgewohnheiten kaum verändert haben – frühere Trends setzen sich fort. Laut Schätzungen konsumieren rund fünf Millionen Menschen in Deutschland gelegentlich Cannabis.

Entwicklung von Konsum und Schwarzmarkt

Bei Jugendlichen ist der Cannabiskonsum seit etwa 2019 rückläufig, während er bei Erwachsenen leicht ansteigt. Der Schwarzmarkt ist laut Forschern leicht zurückgegangen, unter anderem weil viele Konsumenten auf medizinisches Cannabis über Online-Apotheken ausweichen – was die Politik nun einschränken will. Die Forschergruppe um Kriminologe Jörg Kinzig geht von einem Rückgang des Schwarzmarktes aus, betont aber, dass legale Bezugsquellen wie Anbauvereinigungen noch zu restriktiv sind.

Politische Kontroverse und neue Studien

Unions-Minister wie Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kritisieren das Gesetz scharf. Dobrindt bezeichnete es als "vollkommenen Rohrkrepierer" und "Brandbeschleuniger für den Drogenkonsum", während Warken eine "verschwommene Grenze zwischen Konsumcannabis und Cannabis zu rein medizinischen Zwecken" beklagt. Die Studie der Forschergruppe stellt jedoch fest, dass der Konsum nicht angestiegen sei und legale Bezugsquellen wachsen. Allerdings zeigen Daten aus psychiatrischen Kliniken im Rhein-Ruhrgebiet einen Anstieg von Cannabis-bedingten Behandlungen, einschließlich einer 40-prozentigen Zunahme bei Psychosen.

Ausblick auf weitere Entwicklungen

Die politische Debatte bleibt hitzig, mit Forderungen nach Nachsteuerungen bei Jugendschutz und Zugangsbeschränkungen für medizinisches Cannabis. Die Forschung läuft weiter, ein Abschlussbericht ist für 2028 geplant, der auch die Auswirkungen auf die Organisierte Kriminalität untersuchen soll. Die Sicherheitsbehörden stellten 2025 Rekordmengen an Cannabis sicher, was laut Forschern jedoch eher auf internationale Trends und intensivere Kontrollen zurückzuführen ist als auf die Teillegalisierung.

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