AfD-Parteitag in Erfurt: Weidel und Chrupalla wiedergewählt, Proteste mit über 30.000 Teilnehmern
Wichtige Fakten
- • Weidel mit 81,3% und Chrupalla mit 70% als Vorsitzende bestätigt.
- • Polizei zählt 31.000, „Widersetzen“ 50.000 Demonstranten.
- • Oberverwaltungsgericht bestätigt Demonstrationsverbot auf Zufahrtsstraßen.
- • Stefan Möller als Höcke-Vertrauter zum Vize-Vorsitzenden gewählt.
- • Unvereinbarkeitsliste-Debatte vertagt, um Konflikte zu vermeiden.
Parteitag und Wiederwahl: Weidel und Chrupalla im Amt bestätigt
Der AfD-Bundesparteitag in Erfurt hat am Samstag pünktlich um 10 Uhr begonnen. Zahlreiche der etwa 600 Delegierten waren bereits Stunden vor dem Start angereist, um Blockaden zu umgehen. Bereits vor 5 Uhr befanden sich 540 Delegierte auf dem Gelände. Die 47-jährige Alice Weidel wurde mit 81,3 Prozent der Stimmen als Parteivorsitzende bestätigt, eine Steigerung gegenüber 79,8 Prozent vor zwei Jahren. Ihr Co-Chef Tino Chrupalla erhielt 70,05 Prozent, ein deutliches Minus zu den über 80 Prozent von 2024. Beide hatten keine Gegenkandidaten. Die in Teilen als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei will inhaltlich keine Konflikte riskieren: Ein neues Grundsatzprogramm ist erst für 2027 geplant. Weidel kritisierte in ihrer Rede Bundeskanzler Friedrich Merz scharf und versprach, die AfD werde „rigoros abschieben“. Chrupalla betonte den Machtanspruch: „Wir werden regieren, zuerst in einem Land, dann im Bund.“
Proteste und Gerichtsentscheidung: Zehntausende demonstrieren
Begleitet wurde der Parteitag von massiven Protesten. Nach Polizeiangaben versammelten sich mindestens 31.000 Menschen, das Bündnis „Widersetzen“ sprach sogar von 50.000 Teilnehmern. Viele der Demonstranten blockierten am Morgen Zufahrtsstraßen zur Messe, darunter die Autobahn 71. Das zuvor verhängte Versammlungsverbot auf bestimmten Straßen war zunächst vom Verwaltungsgericht Weimar gekippt worden, da kein polizeilicher Ausnahmezustand vorliege. Die Stadt Erfurt legte Beschwerde ein, woraufhin das Oberverwaltungsgericht Thüringen das Verbot nun bestätigte. Die Lage blieb angespannt, die Polizei war mit mehreren tausend Einsatzkräften aus ganz Deutschland vor Ort. Mehrere Journalisten wurden bei den Protesten verletzt – durch Flaschenwürfe aus der Menge. Auch ein Reporter des Portals „Apollo News“ sei attackiert worden. Die Polizei kündigte an, Übergriffe konsequent zu verfolgen. Der Familienname Simson, der eng mit ostdeutscher Moped-Kultur verbunden ist, solle nicht von der AfD vereinnahmt werden, forderte der Nachfahre Dennis Baum in einem persönlichen Statement.
Interne Machtverhältnisse: Der Einfluss des rechten Flügels bleibt stark
Trotz des Harmonieversuchs zeigte der Parteitag erneut interne Gräben auf. Während die Parteispitze Pfahls, drängte insbesondere der Thüringer Rechtsaußen Björn Höcke auf eine Verschiebung der rechtlichen Grenzen: Ein Antrag zur Aufweichung der Unvereinbarkeitsliste für extremistische Organisationen wurde kurzerhand von der Tagesordnung genommen – offenbar um das Image nicht unnötig zu belasten. Eine Diskussion über die Radikalität hatte die Spitze vermeiden wollen. Dennoch stärkten die Delegierten die „Thüringer Linie“: Der Höcke-Vertraute Stefan Möller, Thüringer Co-Landeschef und Bundestagsabgeordneter, zog in den Bundesvorstand ein – als einer der neuen stellvertretenden Bundessprecher bei 76,54 Prozent Zustimmung. Er betonte: Friede dem „Thüringer Weg“ mit einem Zusatz. Weitere Vizes wurden der Westfale Sven Tritschler (50,7 Prozent) und die bayerische Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner (55,7 Prozent). Der bisherige Stellvertreter Kay Gottschalk fiel durch eine rassistische Überleitung zur Nationalmannschaft ab – er verlor die Wahl gegen Tritschler.
Das könnte Sie auch interessieren
Kein Briefing mehr verpassen
Das Wichtigste des Tages jeden Morgen direkt ins Postfach.