Ölpreisschock durch Iran-Krieg belastet DAX und Industrie
Wichtige Fakten
- • Der Ölpreis stieg durch den Iran-Krieg auf über 100 Dollar, zeitweise bis zu 111 Dollar pro Barrel.
- • Die deutschen Industrieaufträge brachen im Januar um 11,1% ein, stärker als von Ökonomen erwartet.
- • Die Straße von Hormus ist blockiert, was etwa 30% des weltweit verschifften Öls betrifft.
- • G7-Staaten beraten über Freigabe von 300-400 Millionen Barrel aus strategischen Ölreserven.
- • Experten warnen vor globaler Rezession, falls der Ölpreis nachhaltig über 120 Dollar steigt.
Ölpreis steigt durch Iran-Krieg auf Rekordniveau
Der Iran-Krieg hat den Ölpreis erstmals seit Beginn des Ukraine-Kriegs wieder über die Marke von 100 Dollar getrieben. Im frühen Handel kletterte der Preis für die Nordseesorte Brent zeitweise um rund 20 Prozent auf 111 Dollar je Barrel, während auch die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) die 100-Dollar-Marke überschritt. Seit Beginn des Konflikts vor etwas mehr als einer Woche hat sich der Ölpreis um etwa 50 Prozent verteuert, nachdem er Ende Februar noch bei etwa 70 Dollar pro Barrel notierte. Grund für den drastischen Anstieg ist vor allem die Blockade der strategisch wichtigen Straße von Hormus, durch die in Friedenszeiten täglich rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels transportiert wird.
DAX verliert durch Ölpreisschock
Der sprunghafte Anstieg der Öl- und Gaspreise belastet die Aktienmärkte und schürt Sorgen vor Wachstumseinbußen und einer Rückkehr der Inflation. Der DAX verlor zu Wochenbeginn bis zum frühen Nachmittag 1,4 Prozent auf 23.270 Punkte. Christian Henke, IG-Chefmarktanalyst, kommentierte: "Die Angst davor, dass das schwarze Gold die Weltkonjunktur ausbremsen könnte, ist deutlich größer geworden." Während die Börse insgesamt unter dem rasanten Ölpreisanstieg leidet, profitieren Ölaktien direkt davon: Shell hat seit Beginn der Angriffe über fünf Prozent an Wert zugelegt, ExxonMobil sogar fast ein Viertel seit Jahresbeginn.
Industrieaufträge brechen unerwartet stark ein
Die deutsche Industrie startete mit einem drastischen Auftragsrückgang von 11,1 Prozent im Januar ins Jahr – deutlich stärker als von Ökonomen erwartet, die lediglich mit einem Minus von 4,5 Prozent gerechnet hatten. Besonders die Nachfrage aus dem Inland brach um 16,2 Prozent ein. Laut Statistischem Bundesamt ist ein wichtiger Grund der Einfluss von Großbestellungen; ohne diese lag der Rückgang nur bei 0,4 Prozent. Das Bundeswirtschaftsministerium warnt vor neuen Risiken durch die Konflikte im Nahen Osten und gestiegene Energiepreise, die sich noch nicht in den Indikatoren widerspiegeln.
Maßnahmen zur Beruhigung des Marktes
Angesichts der angespannten Lage beraten die G7-Finanzminister über die Freigabe von strategischen Ölreserven. Laut Financial Times wollen die USA eine gemeinsame Freigabe von 300 bis 400 Millionen Barrel erreichen, was etwa 25 bis 30 Prozent der gesamten Reserven entspricht. Zudem hat die US-Regierung zusätzliche Maßnahmen ins Spiel gebracht, wie die Lockerung von Sanktionen für russisches Öl, um das globale Angebot zu erhöhen. US-Präsident Donald Trump verteidigte die steigenden Energiepreise als "sehr geringen Preis für die Sicherheit und den Frieden der USA und der Welt".
Experten warnen vor wirtschaftlichen Folgen
Experten wie Bruce Kasman von JPMorgan erwarten kurzfristig einen Anstieg des Ölpreises in Richtung 120 Dollar pro Barrel. Sollte der Konflikt andauern und der Preis nachhaltig über dieser Marke liegen, könnte dies eine globale Rezession auslösen, die das weltweite Wirtschaftswachstum im ersten Halbjahr um 0,6 Prozentpunkte drücken und Verbraucherpreise um etwa einen Prozentpunkt anheben könnte. Sebastian Dullien, Direktor des IMK, betont, dass die weitere Konjunkturentwicklung nun vom Kriegsverlauf im Nahen Osten und den Energiepreisen abhängt.
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