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Gesellschaft 04.08.2026, 01:08 Aktualisiert: 04.08.2026, 06:01

Brustkrebs-Früherkennung: NHS-Richtlinien verfehlen bis zu 95 % der jüngeren Risikopatientinnen

Eine Studie zeigt: NHS-Kriterien übersehen 95 % der jüngeren Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko (10-Jahres-Risiko).

Wichtige Fakten

  • Eine Studie zeigt: NHS-Kriterien übersehen 95 % der jüngeren Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko (10-Jahres-Risiko).
  • Studie der Universität Cambridge und des Institute of Cancer Research identifiziert achtmal mehr gefährdete Frauen.
  • 73 % der betroffenen Frauen unter 50 haben keine Familienanamnese – das Kernkriterium der NICE-Leitlinien.
  • Public-Health-Experten fordern eine Überprüfung der NICE-Kriterien, um Früherkennung und Prävention zu verbessern.

Hintergrund

Eine neue Studie unter der Leitung der Universität Cambridge und des Institute of Cancer Research (ICR) zeigt, dass die aktuellen NHS-Richtlinien zur Brustkrebs-Früherkennung bei Frauen unter 50 Jahren massiv unzureichend sind. Die Kriterien des National Institute for Health and Care Excellence (NICE) konzentrieren sich ausschließlich auf die familiäre Vorgeschichte und übersehen dabei bis zu 95 % der Frauen, die innerhalb von zehn Jahren an Brustkrebs erkranken. Angesichts dieser Ergebnisse fordern Experten eine dringende Überprüfung der Leitlinien.

Studienergebnisse

Im Rahmen der im British Journal of Cancer veröffentlichten Studie verwendeten die Forscher den Risikorechner "Boadicea", der neben der Familienanamnese auch Lebensstil, reproduktive Vorgeschichte und genetische Faktoren berücksichtigt. Mit dieser Methode konnte die Gruppe achtmal mehr gefährdete Frauen identifizieren als mit den bisherigen Kriterien. Ein entscheidender Grund für die Diskrepanz: 73 % der Frauen unter 50, die innerhalb eines Jahrzehnts an Brustkrebs erkranken, haben keine familiäre Vorbelastung – das Kernkriterium der aktuellen Leitlinien.

Implikationen und Reaktionen

Die Autoren der Studie, darunter Dr. Juliet Usher-Smith, betonen die Notwendigkeit, Frauen mit hohem Risiko frühzeitig zu erkennen, um präventive Maßnahmen oder eine frühzeitige Behandlung zu ermöglichen. Allerdings weisen sie auch auf eine Abwägung hin: Während umfassendere Risikobewertungen mehr Ressourcen erfordern, könnten sie zu mehr unnötigen Untersuchungen und Ängsten führen. Auch Organisationen wie Cancer Research UK und Breast Cancer Now fordern eine Überarbeitung der NICE-Kriterien unter Berücksichtigung von Zugänglichkeit und Chancengleichheit. NICE selbst begrüßt die Studie, betont jedoch, dass die aktuellen Belege eine Richtlinienänderung nicht rechtfertigen. Weitere Untersuchungen seien nötig, um die Machbarkeit von multifaktoriellen Modellen besser abzuschätzen und den Nutzen in der Praxis weiter zu evaluieren.

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