Bürokratische Kosten: Wenn Baunormen das Wohnen verteuern
Wichtige Fakten
- • Baukosten in Deutschland seit 2000 um 245% gestiegen; ein Fünftel durch Normen.
- • Ein Lüfter für Schallschutz kostet laut Bauträger 1.500 Euro und bringt kaum Nutzen.
- • DIN-Arbeitsausschüsse bestehen zu 56% aus Wirtschaftsvertretern.
- • Justizministerin Hubig plant Gesetzentwurf für individuell vereinbare Baustandards.
- • Normen sind rechtlich nicht bindend, aber als Standard einklagbar.
Hintergrund: Baunormen als Kostentreiber
Wohnraum in deutschen Städten ist knapp und teuer. Ein Grund sind laut Fachleuten die vielen Baunormen, etwa zu Lärmschutz, Treppen oder Stellplätzen. Bauträger Hans-Jörg Kraus kritisiert, dass diese Normen das Bauen unnötig verteuern. Die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (ARGE) berechnete, dass die Baukosten seit 2000 um 245 Prozent gestiegen sind, wovon ein Fünftel auf veränderte Normen zurückgeht.
Praktisches Beispiel: Teurer Pseudo-Schallschutz
In einer Heidelberger Wohnung muss Kraus einen Lüfter für Schallschutz installieren (Kosten: 1.500 Euro), der laut ihm kaum Wirkung zeigt, da er selbst Geräusche verursacht. Auch andere Gewerke erzeugen durch Normen höhere Kosten und Materialaufwand, die an Mieter weitergegeben werden.
Systemfehler: Einfluss der Industrie auf Normen?
Die Normen werden vom privaten Deutschen Institut für Normung (DIN) festgelegt, nicht von der Politik. Laut Kraus sitzen dort überproportional viele Industrievertreter mit Eigeninteressen. DIN hingegen betont, dass Normen im Konsens entstehen und gesellschaftliche Entwicklungen wie Klimaschutz abbilden, was Kosten verursacht.
Rechtliche Situation: Keine Bindung, aber hohes Risiko
Normen sind nicht gesetzlich bindend, aber juristisch als anerkannte Regeln der Technik einklagbar. Bauträger müssen sie dennoch oft einhalten, um Klagen zu vermeiden. Ein Ausweg: die Vereinbarung abweichender Standards mit Käufern.
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