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International 10.03.2026, 10:00 Aktualisiert: 10.03.2026, 12:08

Chile vor konservativer Wende: Kast-Regierung bedroht Frauenrechte

José Antonio Kast will Abtreibungen wieder vollständig verbieten.

Wichtige Fakten

  • José Antonio Kast will Abtreibungen wieder vollständig verbieten.
  • Seit 2017 sind Abtreibungen in Chile nur bei Vergewaltigung, Lebensgefahr oder Unviabilität erlaubt.
  • Kast ernannte die evangelikale Anti-Abtreibungsaktivistin Judith Marín zur Gleichstellungsministerin.
  • Studien schätzen über 100.000 induzierte Abtreibungen jährlich in Chile.
  • Die feministische Bewegung brachte 2022 eine halbe Million Menschen auf die Straße.

Politische Wende unter Kast

Mit der Amtseinführung von José Antonio Kast als chilenischem Präsidenten am Mittwoch steht das Land vor einer konservativen Wende. Kast, ein ultra-katholischer Politiker mit Vergangenheit in der republikanischen Partei, hat in seiner Karriere konsequent gegen Frauenrechte und Gleichstellung gestimmt, darunter gegen die Scheidungslegalisierung 2004 und das begrenzte Abtreibungsrecht von 2017. Er strebt nun eine Rückkehr zum Totalverbot der Abtreibung an, das unter der Pinochet-Diktatur 1989 eingeführt wurde.

Feministische Bewegung unter Druck

Die feministische Bewegung in Chile, die in den letzten Jahren Hunderttausende mobilisierte und 2022 eine Verfassungsreform mit Abtreibungsrecht vorantrieb, sieht sich nun mit Rückschlägen konfrontiert. Kast ernannte die 30-jährige evangelikale Anti-Abtreibungsaktivistin Judith Marín zur Ministerin für Frauen und Gleichstellung, was seine harte Linie unterstreicht. Obwohl die aktuelle Regierung unter Gabriel Boric als "feministisch" galt, verzögerte sie ein Gesetz für freie Abtreibung bis 2025, was zu internen Spannungen führte.

Aktuelle Lage und Widerstand

Seit 2017 sind in Chile etwa 7.000 legale Abtreibungen unter den drei Ausnahmen (Vergewaltigung, Lebensgefahr der Mutter, Unviabilität des Fötus) durchgeführt worden, doch Schätzungen gehen von über 100.000 induzierten Abtreibungen pro Jahr aus. Trotz der konservativen Regierungsübernahme demonstrierten am Internationalen Frauentag rund 500.000 Menschen in Santiago, und Netzwerke wie "Con las Amigas y En La Casa" bieten weiterhin Informationen zu sicheren Abtreibungen an, was auf anhaltenden Widerstand hindeutet.

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