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International 30.03.2026, 13:20 Aktualisiert: 30.03.2026, 15:04

Chiles neue Regierung stoppt Gedenkstätte für Opfer der Colonia Dignidad

Die rechtsgerichtete Regierung unter Präsident José Antonio Kast will die Enteignung für eine Gedenkstätte stoppen.

Wichtige Fakten

  • Die rechtsgerichtete Regierung unter Präsident José Antonio Kast will die Enteignung für eine Gedenkstätte stoppen.
  • Das Projekt sollte an Opfer von Folter, Missbrauch und Mord während der Pinochet-Diktatur erinnern.
  • Wohnungsbauminister Iván Poduje begründet dies mit finanziellen Kosten und angeblichen Unregelmäßigkeiten.
  • Kritiker sehen darin eine politische Entscheidung gegen die Aufarbeitung der Menschenrechtsverletzungen.
  • Das Gelände, früher Colonia Dignidad, wird heute als Villa Baviera touristisch genutzt.

Gedenkstätte in Gefahr

Die neue, rechtsgerichtete Regierung Chiles unter Präsident José Antonio Kast will die geplante Enteignung für eine Gedenkstätte auf dem Gelände der ehemaligen deutschen Sekte Colonia Dignidad stoppen. Das Projekt sollte an die Opfer schwerer Verbrechen erinnern, die dort während der Militärdiktatur unter Augusto Pinochet (1973-1990) begangen wurden, darunter Folter, Mord und der Missbrauch von Kindern. Wohnungsbauminister Iván Poduje begründet den Schritt mit mutmaßlichen Unregelmäßigkeiten im Verfahren und den enormen finanziellen Kosten von rund 47 Milliarden Pesos, die er für andere soziale Prioritäten wie Wohnungsbau oder Sportanlagen bevorzugt.

Historischer Hintergrund

Die Colonia Dignidad wurde 1961 vom deutschen Laienprediger Paul Schäfer gegründet und war eine abgeschottete Siedlung, in der Mitglieder ausgebeutet, Familien auseinandergerissen und Kinder missbraucht wurden. Während der Pinochet-Diktatur diente sie zudem als Folterstätte für Regimegegner. Nach der Zwangsverwaltung 2005 wird das Areal heute als Villa Baviera touristisch genutzt. Die Entscheidung der Regierung wird von Aktivisten und Angehörigen der Opfer scharf kritisiert, darunter der frühere Justizminister Jaime Gajardo, der sie als "Schlag ins Gesicht für das Gedenken" bezeichnet.

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