Teilen:
Wirtschaft 06.04.2026, 07:45

Finanzberatung in Deutschland: Hohe Kosten und versteckte Provisionen

80% der deutschen Kleinanleger nutzen Finanzberatung bei Banken oder Versicherern.

Wichtige Fakten

  • 80% der deutschen Kleinanleger nutzen Finanzberatung bei Banken oder Versicherern.
  • Provisionsbasierte Verträge kosten Kleinanleger jährlich 98 Milliarden Euro.
  • Bei 1,5% jährlichen Kosten sinkt das Endvermögen nach 40 Jahren um fast 100.000 Euro.
  • In England und den Niederlanden sind provisionsbasierte Beratungen bereits verboten.
  • Die EU-Kommission scheiterte 2023 mit einem EU-weiten Provisionsverbot.

Hohe Kosten durch Finanzberatung

Rund 80 Prozent der deutschen Kleinanleger lassen sich bei Investment-Entscheidungen beraten, meist bei ihrer Bank, Versicherern oder Finanzmaklern. Diese Beratung kostet die Deutschen ein Vermögen: Steffen Sebastian von der Universität Regensburg hat berechnet, dass provisionsbasierte Verträge Kleinanleger in Deutschland insgesamt 98 Milliarden Euro pro Jahr kosten. Viele Kunden vertrauen ihrem persönlichen Berater trotz des generell geringen Vertrauens in die Finanzbranche nach der Finanzkrise 2008.

Gravierende Renditeunterschiede

Ein Beispielvergleich zeigt die Auswirkungen: Bei einem monatlichen Investment von 200 Euro über 40 Jahre (insgesamt 96.000 Euro) ergibt ein ETF ohne Effektivkosten bei sechs Prozent Rendite ein Endvermögen von gut 398.000 Euro. Bei einem Fonds mit 1,5 Prozent jährlichen Kosten sinkt die Nettorendite auf 4,5 Prozent und das Endvermögen auf rund 300.000 Euro – ein Verlust von fast 100.000 Euro. Bei zwei Prozent Kosten sinkt die Summe sogar auf 270.000 Euro.

Internationale Vergleiche und gescheiterte Regulierung

In England und den Niederlanden sind provisionsbasierte Beratungen bereits verboten, dort gibt es nur Honorarberatung. Haushalte in diesen Ländern verzeichnen im Schnitt 1,7 Prozent mehr Vermögenswachstum pro Jahr. 2023 scheiterte die EU-Kommission mit dem Versuch, Provisionen EU-weit zu verbieten. Experten wie Andreas Hackethal von der Goethe-Universität Frankfurt raten, dass die Kosten nicht mehr als ein Prozent der investierten Summe betragen sollten.

Kein Briefing mehr verpassen

Das Wichtigste des Tages jeden Morgen direkt ins Postfach.

Mit der Anmeldung akzeptieren Sie unsere Datenschutzbestimmungen. Abmeldung jederzeit.