Bundestag debattiert umstrittenes Krankenkassen-Sparpaket
Wichtige Fakten
- • Defizit der Kassen 2027: 19 Mrd. Euro, laut Gesundheitsministerin Warken.
- • Bis 2030 droht Defizit von 44 Milliarden Euro.
- • Opposition kritisiert "Kahlschlag" und unfaire Lastenverteilung.
- • Widerstand aus Koalition: Länder warnen vor Belastungen für Krankenhäuser.
- • Ärzte protestieren gegen Budgetierung bei Prävention und Früherkennung.
Debatte im Bundestag über Gesundheitsreform
Der Bundestag hat sich in erster Lesung mit dem umstrittenen Gesetzentwurf zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung befasst. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) verteidigte ihr milliardenschweres Sparpaket gegen massive Kritik der Opposition. Ziel des sogenannten Beitragsstabilisierungsgesetzes sei es, ein drohendes Finanzloch zu stopfen und steigende Beiträge zu verhindern. Schon im kommenden Jahr drohe ein Defizit von 19 Milliarden Euro, bis 2030 sogar von 44 Milliarden Euro, so Warken. Der Entwurf basiere auf Vorschlägen einer Expertenkommission und verlange von allen Beteiligten einen Beitrag. Das Ministerium verspricht, die Versorgungsqualität bleibe erhalten, doch viele Ärzte zeigen sich skeptisch.
Opposition scharf gegen Sparpläne
Oppositionspolitiker übten heftige Kritik an den Plänen. Der Grünen-Politiker Janosch Dahmen sprach von einem „Kahlschlag“ und warf der Regierung vor, die Reform „im Blindflug“ durchsetzen zu wollen. Die Linke-Nordrhein-Westfalen-Kritik sieht die Beschäftigten im Gesundheitswesen gefährdet, während die AfD die Pläne als „Katastrophe“ bezeichnete. Auch aus den Reihen der Koalition gibt es Widerstand, insbesondere von Ländervertretern wie Bremens Bürgermeister Bovenschulte (SPD). Zwar ist das Gesetz nicht zustimmungspflichtig, der Bundesrat kann es jedoch an den Vermittlungsausschuss überweisen und so den engen Zeitplan sprengen.
Ärzteproteste und Patientenängste
Ärzteverbände laufen Sturm gegen die geplanten Sparmaßnahmen, die insbesondere die ambulante Versorgung betreffen. Viele Mediziner befürchten Einschränkungen bei Präventions- und Früherkennungsleistungen. Die Heidelberger Gynäkologin Christiane von Holst warnte vor einer Budgetierung der Schwangerenvorsorge. Sie sieht die Versorgung von Schwangeren in Gefahr: „Wir müssten Patientinnen irgendwann sagen: ‚Sie sind schwanger, aber wir dürfen nur noch bestimmte Untersuchungen vornehmen.‘“ Das Ministerium wollte sich auf Anfrage nicht zu möglichen Auswirkungen äußern und verwies auf den Gesetzesentwurf. Die Ärzte wollen ihre Proteste in den kommenden Wochen fortsetzen.
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