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Gesellschaft 06.05.2026, 05:00 Aktualisiert: 06.05.2026, 06:03

Gibraltar: Rohabwasser jahrzehntelang ins Meer gepumpt

Fast 40.000 Einwohner und Unternehmen pumpen Rohabwasser ins Meer.

Wichtige Fakten

  • Fast 40.000 Einwohner und Unternehmen pumpen Rohabwasser ins Meer.
  • Gibraltar hat nie eine Kläranlage besessen.
  • EU-Gericht verurteilte UK 2017, aber Maßnahmen blieben aus.
  • Ein Vertrag von 2018 scheiterte an Insolvenz eines Partners.
  • Neuer Vertrag von 2025 soll Abhilfe schaffen – Baubeginn läuft.

Hintergrund und Problemstellung

Seit Jahrzehnten leitet Gibraltar, britisches Überseegebiet an der Südspitze Europas, ungeklärtes Abwasser von rund 40.000 Menschen und Betrieben direkt ins Mittelmeer. Die Insel verfügt über keine Kläranlage. Abwasser wird am Europa Point eingeleitet, wo die Behörden auf „natürliche Verdünnung“ setzen. Strandgänger berichten von Feuchttüchern und Plastikmüll zwischen Algen. Die Verschmutzung gefährdet das marine Ökosystem, da toxische Algenblüten Sauerstoff entziehen und Schadstoffe die Fortpflanzung von Fischen und Säugetieren beeinträchtigen.

Rechtliche Auseinandersetzungen und Verträge

Der Europäische Gerichtshof verurteilte das Vereinigte Königreich 2017 wegen Verstoßes gegen Abwasserrichtlinien, doch nach dem Brexit verlor die EU ihre Durchsetzungsmacht. Ein Vertrag von 2018 mit einem Joint Venture scheiterte 2024 nach der Insolvenz eines Partners. Im Juni 2025 unterzeichnete die gibraltarische Regierung einen 25-Jahres-Vertrag mit Eco Waters zum Bau einer Kläranlage am Europa Point. Erste Bauarbeiten für Design und Geotechnik begonnen haben, der Bauantrag wurde im März 2026 eingereicht.

Zustand der Infrastruktur und Kritik

Die oppositionelle Gibraltar Social Democrats (GSD) beklagte, dass aus den Stadtmauern üble Gerüche strömen und das Ökosystem geschädigt wird. Das Kanalnetz soll saniert werden, mit Investitionen von 15 Millionen Pfund in neue Hauptkanäle. Die hygienische Qualität aller Strände sei jedoch gut, betont die Regierung. Im Vergleich dazu verursachten englische Wasserunternehmen im vergangenen Jahr fast 300.000 ungeklärte Einleitungen, obwohl sie Kläranlagen betreiben. Naturschützer fordern ein Ende der Ungerechtigkeit für die Meeresumwelt – sowohl in Überseegebieten als auch im Inland.

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