Historisches PKK-Gesetz in der Türkei: Entwaffnung und Amnestie beschlossen
Wichtige Fakten
- • Parlament verabschiedet Gesetz zur PKK-Entwaffnung.
- • Amnestie für tausende PKK-Mitglieder, ausgenommen Tötungsdelikte.
- • Friedensprozess seit 1984, über 40.000 Tote.
- • Kurdische Forderungen bleiben unerfüllt.
- • Erdogans mögliche Motive: politische Unterstützung und Außenpolitik.
Historische Einigung mit Hindernissen
Das türkische Parlament hat mit großer Mehrheit ein Gesetz verabschiedet, das die Entwaffnung der PKK vorsieht. Es gilt als historischer Schritt, da es die Möglichkeit einer Amnestie für tausende inhaftierte PKK-Mitglieder schafft. Ausgenommen sind Verurteilte wegen Tötungsdelikten - auch PKK-Gründer Abdullah Öcalan bleibt in Haft. Der nationale Sicherheitsrat soll die vollständige Entwaffnung bestätigen, bevor das Gesetz wirksam wird. Das Rahmengesetz ermöglicht auch die Rückkehr von Kämpfern aus dem Nordirak und Sympathisanten aus Europa.
Kritik und unerfüllte Forderungen
Der Juraprofessor Vahap Coşkun betont, dass die Kurdenfrage nicht gelöst sei. Konkrete Forderungen wie die Anerkennung der kurdischen Sprache in Justiz und Verwaltung, muttersprachlicher Unterricht oder mehr Selbstverwaltung blieben unerfüllt. Die prokurdische DEM-Partei kritisierte die Verhandlungen mit Öcalan statt mit gewählten Abgeordneten, stimmte aber zu.
Politische Motive Erdogans
Präsident Erdoğan könnte das Gesetz nutzen, um die DEM-Partei aus dem Oppositionslager zu ziehen und Unterstützung für eine mögliche Verfassungsänderung zu gewinnen. Zudem stärkt das Gesetz die Rolle der Türkei in der Region: In Nordsyrien untergräbt es den Rückhalt der SDF, im Irak könnten Truppen abgezogen werden, und Europa sieht einen stabilen Partner. Die Entlassung von Selahattin Demirtaş, vom EGMR gefordert, könnte durch das Gesetz erwirkt werden, ist aber ungewiss.
Das könnte Sie auch interessieren
Kein Briefing mehr verpassen
Das Wichtigste des Tages jeden Morgen direkt ins Postfach.