Historisches Urteil: Belgien muss Kolonialopfer entschädigen
Wichtige Fakten
- • Ein belgisches Gericht sprach fünf Frauen je 50.000 Euro Entschädigung zu.
- • Die Opfer wurden als Kinder ihren Familien entrissen und in Heime gesteckt.
- • Das Urteil gilt als erstmalige Entschädigung für koloniale Gewalt in Europa.
- • Belgien erkannte das Unrecht 2019 an, eine königliche Entschuldigung blieb bisher aus.
- • Der Fall betrifft tausende Kinder gemischter Herkunft in belgischen Kolonien.
Historische Entschädigung für Kolonialopfer
Ein belgisches Gericht hat fünf Frauen im Alter von etwa 80 Jahren jeweils 50.000 Euro Entschädigung zugesprochen, weil sie als Kinder ihrer Mütter entrissen und in katholische Missionsheime gesteckt wurden. Der Fall gilt als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Betroffen waren Mädchen gemischter Herkunft, deren Väter weiße Europäer waren – aus Sicht der Kolonialisten unerwünschte Kinder.
Belgiens koloniale Vergangenheit
Zwischen 1885 und 1960 herrschte im Kongo ein brutales Kolonialsystem, zunächst unter König Leopold II., später unter belgischer Staatsverwaltung. Millionen Kongolesen starben. Das AfricaMuseum bei Brüssel bemüht sich neuerdings um kritische Aufarbeitung, doch eine öffentliche Debatte bleibt laut Anthropologin Dr. Bambi Ceuppens aus. Belgien entschuldigte sich 2019 offiziell, der König zeigte nur Bedauern.
Kampf um Anerkennung
Sechs Jahre lang prozessierte Léa Tavares mit vier Freundinnen – das Urteil vom Mai 2026 bestätigte den Entschädigungsanspruch endgültig. Anwältin Michèle Hirsch spricht von einer rassistischen Politik des belgischen Staates. Tavares gibt an, vergeben zu können, aber nicht vergessen zu wollen. Der Fall könnte Signalwirkung für andere europäische Länder mit kolonialer Vergangenheit haben.
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