Teilen:
Inland 07.08.2026, 09:13 Aktualisiert: 07.08.2026, 15:01

Hitze und Dürre in Deutschland: Städtebund fordert nationalen Kraftakt für Wasserversorgung

Der Städtebund fordert den nationalen Kraftakt für Wasserversorgung und Klimaanpassung.

Wichtige Fakten

  • Der Städtebund fordert den nationalen Kraftakt für Wasserversorgung und Klimaanpassung.
  • Die Zahl der Hitzetoten in Deutschland liegt 2026 bei etwa 11.900.
  • Landwirte melden Ernteausfälle und Futterknappheit durch Trockenheit.
  • Viele Gemeinden leiden unter Grundwasserstress und lokaler Wasserknappheit.
  • Verbände fordern einen Hitzegipfel und einen verbindlichen Hitzeaktionsplan.

Ursachen der Krise

Deutschland erlebt im Sommer 2026 eine außergewöhnliche Hitzewelle mit Dürre und Niedrigwasser in den Flüssen. Die Böden sind vielerorts extrem trocken, Städte überhitzen und in einigen Regionen wird die Trinkwasserversorgung knapp. Diese Entwicklungen haben verschiedene gesellschaftliche und wirtschaftliche Bereiche erfasst: Die Landwirtschaft meldet Ernteausfälle und Futterknappheit für Tiere, die Schifffahrt wird durch niedrige Pegelstände eingeschränkt und die Energieversorgung steht unter Druck. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) spricht von einem 'nationalen Kraftakt' und fordert, Wasser als strategische Ressource zu betrachten. Die Hälfte aller Landkreise und kreisfreien Städte sei bereits von akutem oder strukturellem Grundwasserstress betroffen. Wirtschaftliche Folgen seien bereits sichtbar, und Hitze gefährde Wachstum, Arbeitsplätze und Wohlstand, so DStGB-Präsident Ralph Spiegler. In Böbrach im Bayerischen Wald wird Trinkwasser bereits per LKW geliefert, da die ortseigene Versorgung zusammengebrochen ist. Städte und Gemeinden könnten diese Herausforderungen nicht allein meistern; es brauche eine 'Gemeinschaftsaufgabe Klimaschutz und Klimaanpassung im Grundgesetz' und eine dauerhaft gesicherte Finanzierung durch Bund und Länder.

Gesundheit und soziale Folgen

Die Hitze hat auch erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung. Knapp 12.000 Hitzetote sind in diesem Jahr bisher zu beklagen, so das Robert Koch-Institut. Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt fordert einen besseren Hitzeschutz in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, da nur ein geringer Teil der dortigen Menschen von Klimaanlagen profitiert. Er kritisiert die häufig hinderlichen Zuständigkeiten zwischen Bund, Ländern und Kommunen bei der Finanzierung solcher Maßnahmen. Der Sozialverband Deutschland warnt, dass in Pflegeheimen viele Menschen unter der Hitze leiden. Besonders gefährdet sind Wohnungslose, die keinen Zugang zu Wasser, Schatten oder kühlen Räumen haben. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe fordert daher, Hitzeschutz als 'verbindliche Pflichtaufgabe' von Staat und Kommunen zu verankern.

Landwirtschaft und politische Reaktionen

Die Landwirtschaft leidet in dieser Saison erheblich unter Trockenheit und Hitze. Der Deutsche Bauernverband erwartet eine leicht unterdurchschnittliche Ernte bei Getreide und Raps. Grünlandflächen, die als Futter für Tiere dienen, sind besonders betroffen, was viele Betriebe zu Futtermittelzukäufen zwingt. Während Bundeslandwirtschaftsministerium auf Beobachtung und Austausch verweist, kritisieren Landwirte die mangelnde Unterstützung. Minister Alois Rainer (CSU) verwies lapidar darauf, dass er nicht für Regen sorgen könne. Diese Aussage stieß bei betroffenen Landwirten auf Kopfschütteln und Verärgerung, da konkrete Hilfen ausbleiben. Derweil fordert ein breites Bündnis aus Umwelt-, Sozial- und Mieterverbänden sowie den Grünen die Bundesregierung auf, endlich einen Hitzegipfel einzuberufen und einen bundesweiten Hitzeaktionsplan sowie mehr Klimaschutz-Anstrengungen auf den Weg zu bringen. Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hat nach einem Krisentreffen Sofortmaßnahmen gegen Niedrigwasser angekündigt, die allerdings Kritik von Umweltschützern auslösten.

Umweltauswirkungen und Forschungsstand

Die Dürre hat auch negative Folgen für die Ökosysteme. Die Schifffahrt und die Energieversorgung sind beeinträchtigt, Flüsse und ihre Ökosysteme setzen leiden unter dem niedrigen Wasserstand. Der Nabu kritisiert die weiterhin schlechte Klimabilanz vieler Kreuzfahrtreedereien, die oft noch mit Schweröl fahren. Eine internationale Studie zeigt zudem, dass der Klimawandel ein Haupttreiber für die Verbreitung und das Verschwinden von Schmetterlingsarten ist, was als Indikator für den Zustand der Ökosysteme gilt.

Kein Briefing mehr verpassen

Das Wichtigste des Tages jeden Morgen direkt ins Postfach.

Mit der Anmeldung akzeptieren Sie unsere Datenschutzbestimmungen. Abmeldung jederzeit.