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International 23.03.2026, 05:12 Aktualisiert: 23.03.2026, 15:05

Iran-Konflikt: Eskalation trotz vorübergehender Waffenruhe bei Energieinfrastruktur

Die IEA hat bereits 426 Millionen Barrel Öl freigegeben und erwägt weitere Freigaben.

Wichtige Fakten

  • Die IEA hat bereits 426 Millionen Barrel Öl freigegeben und erwägt weitere Freigaben.
  • Iran droht mit Verminung des Persischen Golfs und Angriffen auf Kraftwerke in der Region.
  • Trump setzt Angriffe auf iranische Kraftwerke für fünf Tage aus, Iran dementiert Verhandlungen.
  • Ölpreis sank nach Trumps Ankündigung um über 14% auf 96 US-Dollar pro Barrel.
  • Israel startete neue Luftangriffe auf Teheran, Hisbollah meldet über 60 Angriffe auf Israel.

Energiekrise erreicht historische Dimensionen

Der Iran-Konflikt hat zu einer schweren Energiekrise geführt, die laut IEA-Chef Fatih Birol schlimmer ist als die Ölschocks der 1970er Jahre und die Gaskrise nach der Ukraine-Invasion kombiniert. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat bereits 426 Millionen Barrel Öl aus Notreserven freigegeben, die größte Notmaßnahme ihrer Geschichte, und erwägt weitere Freigaben. Birol warnt, dass kein Land von den Auswirkungen verschont bleiben wird, wenn sich die Krise weiter verschärft. Die IEA fordert zudem Maßnahmen wie mehr Homeoffice und niedrigere Tempolimits, um den Ölverbrauch zu senken.

Eskalation der militärischen Drohungen und vorläufige Entspannung

US-Präsident Donald Trump hatte Iran ein 48-Stunden-Ultimatum zur Öffnung der strategisch wichtigen Straße von Hormus gestellt und mit der Zerstörung iranischer Kraftwerke gedroht. Iran reagierte mit Vergeltungsdrohungen gegen Energie- und Entsalzungsinfrastruktur in der Region, einschließlich israelischer Kraftwerke und solcher, die US-Militärstützpunkte versorgen. Zudem drohte der iranische Verteidigungsrat, bei Angriffen den gesamten Persischen Golf durch Seeminen zu blockieren. Nach Ablauf des Ultimatums gab Trump jedoch bekannt, dass die USA und Iran „sehr gute und produktive“ Gespräche geführt hätten und er alle Luftangriffe gegen iranische Kraftwerke für fünf Tage aussetze, was zu einem Rückgang der Ölpreise um über 14% führte. Iran dementierte jedoch Verhandlungen mit Washington.

Fortdauernde militärische Auseinandersetzungen

Trotz der vorübergehenden Waffenruhe bei Energieinfrastruktur gehen die gegenseitigen Angriffe unvermindert weiter. Das israelische Militär startete eine großangelegte Welle von Luftangriffen auf Infrastruktur in Teheran, bei der in der Stadt Chorramabad sechs Menschen getötet und 43 verletzt wurden. Die von Iran unterstützte Hisbollah-Miliz im Libanon meldete über 60 Angriffe auf Israel innerhalb der vergangenen 24 Stunden. Auch mehrere Golfstaaten wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate berichteten von erneuten Raketen- und Drohnenangriffen aus dem Iran.

Auswirkungen auf Finanzmärkte und globale Wirtschaft

Die Eskalation belastete die Finanzmärkte schwer: Asiatische Aktienindizes wie der südkoreanische Kospi brachen um bis zu 6,5% ein, während der japanische Nikkei um 3,5% fiel. Die Ölpreise stiegen zunächst auf über 113 US-Dollar pro Barrel, sanken aber nach Trumps Entspannungsankündigung deutlich auf 96 US-Dollar. Internationale Gespräche, wie zwischen UK-Premier Keir Starmer und Trump, zielen auf eine Deeskalation ab, während Notfalltreffen wie das Cobra-Meeting in Großbritannien die wirtschaftlichen Folgen bewältigen sollen. Der französische Präsident Emmanuel Macron warnte vor dem „Risiko einer unkontrollierbaren Eskalation“ und forderte ein Moratorium für Angriffe auf Energieinfrastruktur.

Gefahr für die Chipindustrie und Lieferketten

Der Konflikt gefährdet zunehmend die weltweite Chipversorgung, da Lieferengpässe bei Erdgas und Helium drohen. Helium, ein Nebenprodukt der Erdgasaufbereitung, ist für die Chipproduktion unerlässlich, wird aber durch die gedrosselte Gasproduktion in Katar und die Blockade der Straße von Hormus knapp. Taiwan und Südkorea, die wichtigsten Chipproduzenten, haben Helium-Vorräte für nur drei Monate. Experten warnen vor einem Worst-Case-Szenario, bei dem ein Ausfall die globale Lieferkette zusammenbrechen lassen könnte, falls sich die Lage nicht bald normalisiert. Die Chipindustrie ist global stark fragmentiert und auf Lieferungen aus dem Nahen Osten angewiesen.

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