Kaiserschnitte: Schmerzen trotz Betäubung und der Ruf nach einem Geburtenregister
Wichtige Fakten
- • Fast jede dritte Geburt in Deutschland ist ein Kaiserschnitt.
- • In einer Hebammen-Umfrage kannten 86% Fälle mit unzureichender Betäubung.
- • Studien zeigen Wirkversagen der Regionalanästhesie in bis zu 14% der Fälle.
- • Leitlinien für Kaiserschnitte werden derzeit überarbeitet.
- • Die Bundesregierung plant kein Nationales Geburtenregister.
Häufigkeit und Folgen
Recherchen von Report Mainz zeigen, dass Kaiserschnitte, bei denen die regionale Betäubung nicht ausreichend wirkt, häufiger vorkommen als bekannt. Betroffene Frauen wie Katharina Weyers und Lisa (Name geändert) berichten von starken Schmerzen während der Operation, die bis heute nachwirken. Eine bundesweite, nicht repräsentative Umfrage unter Landeshebammenverbänden ergab, dass 86 Prozent der 323 teilnehmenden Hebammen Frauen kennen, die nach eigenen Angaben bei einem Kaiserschnitt nicht ausreichend betäubt waren oder starke Schmerzen erlitten.
Medizinische Hintergründe und Leitlinien
Internationale Studien deuten darauf hin, dass es bei regionalen Betäubungen für Kaiserschnitte in bis zu 14 Prozent der Fälle zu einem Wirkversagen kommen kann, etwa aufgrund individueller Dosierung oder körperlicher Voraussetzungen. Peter Kranke, Anästhesist an der Uniklinik Würzburg und Mitautor der Leitlinien für Geburtshilfe, betont, dass bei Schmerzen eine Vollnarkose eingeleitet werden sollte. Die Leitlinien werden aktuell überarbeitet und sollen künftig Hinweise zu unzureichender Betäubung enthalten.
Forderungen nach einem Geburtenregister
In Deutschland fehlt eine systematische Erfassung von Geburtskomplikationen, da die Datenlage lückenhaft ist. Expertengruppen und Politikerinnen wie Kirsten Kappert-Gonther (Grüne) und Lina Seitzl (SPD) fordern daher ein Nationales Geburtenregister, um Transparenz zu schaffen und Qualitätslücken aufzudecken. Die Bundesregierung lehnt eine Einführung jedoch ab, wie eine kleine Anfrage im Bundestag ergab.
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