Bundeswehr-Beschaffung: Kritik an MAUS-System und Personalprobleme
Wichtige Fakten
- • Haushaltsausschuss stoppte Rüstungsdeal über 1,5 Milliarden Euro im Januar 2026.
- • MAUS-System für elektronische Kampfführung wird als frontuntauglich kritisiert.
- • Wehrbericht 2025 zeigt gravierende Personalprobleme mit Abbruchquote von 20%.
- • Experten fordern unabhängige Bewertung von Beschaffungsvorlagen.
Kritik an Rüstungsprojekten
Recherchen von Plusminus zeigen, dass hochrangige Militärs und Haushälter im Bundestag Teile der geplanten Bundeswehr-Beschaffungen für ungeeignet halten und vor milliardenschweren Fehlentscheidungen warnen. Der Haushaltsausschuss stoppte im Januar 2026 erstmals einen Rüstungsdeal über bis zu 1,5 Milliarden Euro, da das System durch Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg als überholt gilt. Andreas Schwarz (SPD), Hauptberichterstatter für den Verteidigungshaushalt, erklärte den Beschaffungsstopp damit, dass das geplante System durch die Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg in Teilen bereits überholt sei.
Probleme beim MAUS-System
Im Fokus steht das MAUS-System, bei dem Abhörtechnik in EAGLE-Fahrzeuge eingebaut werden soll. Kritiker bemängeln, dass Soldaten aufgrund fehlender Reichweite und schwacher Panzerung zu nah an die Front müssten, was erhebliche Gefahren birgt. Ein anonymer Militär bezeichnet die Technik als nutzlos gegen russische Störsender, da sie auf einem 40-Kilometer-Streifen an der Front keine Signale auslesen könne. Der Rüstungskonzern Rohde und Schwarz verteidigt das System als 'State-of-the-Art', das sich in der Ukraine bewähre.
Personalmangel bei der Bundeswehr
Der neue Wehrbericht 2025 zeigt gravierende Personalprobleme der Bundeswehr auf. Trotz 25.000 Einstellungen im Jahr 2025 – dem stärksten Jahr seit 2011 – bleibt der Mangel an Personal das größte Problem. Die Abbruchquote liegt bei 20%, und die Einstellungsdauer beträgt im Schnitt 112 Tage. Wehrbeauftragter Henning Otte fordert eine schnelle Personalwende, um das Ziel von 260.000 aktiven Soldaten bis Mitte der 2030er-Jahre zu erreichen, und warnt vor einer Rückkehr zur Wehrpflicht, falls die Freiwilligkeit nicht ausreicht.
Forderungen nach Reformen
Experten wie Thomas Withington vom RUSI und Ökonom Moritz Schularick fordern eine unabhängige Bewertung von Beschaffungsvorlagen, um Steuergelder effizienter einzusetzen. Zudem wird eine engere Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Industrie angestrebt, um Innovationen schneller in marktreife Produkte zu überführen. Thomas Hofmann, Präsident der TU München, kritisiert, dass die Ablehnung von Dual Use an Universitäten die Überführung von Forschung in defensive Bereiche verhindere, und plädiert für mehr Querbefruchtung zwischen ziviler und militärischer Forschung.
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