Massendemonstrationen in Istanbul fordern Freilassung von Oppositionspolitiker İmamoğlu
Wichtige Fakten
- • Ekrem İmamoğlu sitzt seit März 2025 in Untersuchungshaft wegen Terrorunterstützung und Korruption.
- • Die Anklage umfasst über 140 Tathandlungen mit einer geforderten Freiheitsstrafe von bis zu 2.000 Jahren.
- • İmamoğlus Universitätsdiplom wurde annulliert, was eine Präsidentschaftskandidatur blockiert.
- • Mehr als 400 Menschen sind mit İmamoğlu angeklagt, darunter weitere CHP-Bürgermeister.
- • Die CHP und viele Türken halten das Verfahren für politisch motiviert gegen Erdogans Hauptkonkurrenten.
Massendemonstrationen in Istanbul
Zehntausende Menschen versammelten sich am 19. März 2026 in Istanbul bei Kälte und Nieselregen vor der Stadtverwaltung in Saraçhane, um für die Freilassung des inhaftierten Oppositionspolitikers Ekrem İmamoğlu zu demonstrieren. Die Kundgebung, an der viele Gewerkschafter und Anhänger der CHP teilnahmen, forderte den Rücktritt von Präsident Recep Tayyip Erdogan und rief nach einem "Staatspräsidenten İmamoğlu". İmamoğlu, der als chancenreichster Konkurrent Erdogans für die Präsidentschaftswahl in knapp zwei Jahren gilt, sitzt seit dem 19. März 2025 in Haft, unter anderem wegen Terrorunterstützung und Korruption.
Politisch motiviertes Verfahren
Die rund 4.000 Seiten lange Anklage wirft İmamoğlu mehr als 140 Tathandlungen vor, darunter Bestechung, Geldwäsche und Untreue, mit einem angeblichen Schaden von etwa 3,8 Milliarden US-Dollar für Istanbul. Die geforderte Freiheitsstrafe liegt zwischen 800 und über 2.000 Jahren, und ein dauerhaftes Politikverbot wird ebenfalls beantragt. Politologe Berk Esen von der Sabancı Universität hält das Verfahren für politisch motiviert, da die Annullierung von İmamoğlus Universitätsdiplom am 18. März 2025, eine Voraussetzung für eine Präsidentschaftskandidatur, nicht aufgehoben wurde, um ihn aus dem Weg zu räumen.
Auswirkungen auf Demokratie und Opposition
Die Ehefrau İmamoğlus, Dilek İmamoğlu, bezeichnete die Vorwürfe als haltlos und kritisierte fehlende Rechtsstaatlichkeit, die das Vertrauen in Demokratie und Justiz erschüttere. Mit İmamoğlu wurden weitere CHP-Bürgermeister und über 400 Menschen angeklagt, von denen mehr als 100 in Untersuchungshaft sitzen. CHP-Parteichef Özgür Özel sprach von einem "zivilen Putsch" und betonte den Kampf um Demokratie. Die internationale Aufmerksamkeit für den Prozess könnte jedoch aufgrund globaler Konflikte wie dem Iran-Krieg nachlassen.
Das könnte Sie auch interessieren
Kein Briefing mehr verpassen
Das Wichtigste des Tages jeden Morgen direkt ins Postfach.