Milka-Mogelpackung: Landgericht Bremen gibt Verbraucherschützern recht
Wichtige Fakten
- • Milka-Tafel von 100 auf 90 Gramm reduziert, Preis erhöht.
- • Landgericht Bremen stuft dies als relative Mogelpackung ein.
- • Urteil: Hinweis auf geringere Menge muss vier Monate auf Verpackung.
- • Mondelez kann Berufung einlegen; Urteil noch nicht rechtskräftig.
- • Kakaopreis ist von 2500 auf 10.000 Dollar pro Tonne gestiegen.
Gerichtsurteil zur Milka-Mogelpackung
Das Landgericht Bremen hat die Klage der Verbraucherzentrale Hamburg gegen Mondelez gewonnen. Der Milka-Hersteller hatte die Tafel Alpenmilch-Schokolade zu Beginn des Jahres 2025 von 100 auf 90 Gramm reduziert und gleichzeitig den Preis von 1,49€ auf 1,99€ erhöht – ohne dies deutlich zu kennzeichnen. Das Gericht stufte dies als „relative Mogelpackung und somit eine Irreführung des Verbrauchers“ ein. Um die Täuschung zu vermeiden, müsse die reduzierte Menge mindestens vier Monate lang deutlich auf der Verpackung stehen. Mondelez wies die Vorwürfe zurück und will das Urteil prüfen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der Konzern kann Berufung einlegen.
Hintergrund: shrinkflation & Rohstoffpreise
Der Fall ist Teil einer Welle von sogenannter 'Shrinkflation', bei der Hersteller die Füllmenge reduzieren, um steigende Kosten auszugleichen. Hinter der versteckten Preiserhöhung bei Milka steckt der rasant gestiegene Kakaopreis. Von Anfang 2023 (2.500 Dollar pro Tonne) kletterte er auf bis zu 10.000 Dollar im Jahr 2024, angetrieben von schwachen Ernten in der Elfenbeinküste und Ghana sowie dem Klimaphänomen El Niño. Zwar sind die Preise Anfang 2026 wieder leicht gefallen, doch weil Kakaotermingeschäfte weit im Voraus abgeschlossen werden, sind die Kosten noch hoch. Mondelez meldete für das erste Quartal 2026 zwar steigende Erlöse, aber einen sinkenden Gewinn – Belastungen, die der Konzern an die Kunden weitergab.
Auswirkungen und Reaktionen
Bereits 2025 hatte Foodwatch die Milka-Tafel zur 'dreistesten Werbelüge des Jahres' gekürt. Das Unternehmen Mondelez erklärte nach dem Urteil, es nehme die Entscheidung ernst und werde die Kommunikation klar gestalten. Ein ähnlicher Fall betrifft Ritter Sport, das bei drei Sorten das Gewicht von 100 auf 75 Gramm reduzierte. Das Gericht betonte, dass durch die irreführende Verpackung eine Wiederholungsgefahr bestehe, was die Bedeutung des Urteils unterstreicht. Kritiker fordern mehr Transparenz bei Produktänderungen, um Verbraucher zu schützen.
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