Misshandlungen in JVA Gablingen: Systematische Gewalt und Demütigungen
Wichtige Fakten
- • Anklage gegen 13 Bedienstete wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt.
- • Gefangene wurden nackt in leere Betonzellen gesperrt.
- • Beamte sollen Gefangene gewürgt und mit Faustschlägen verprügelt haben.
- • Chats belegen systematische Demütigungen und rechtswidriges Handeln.
- • Ex-Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger spricht von Jahrhundertskandal.
Skandal um JVA Augsburg-Gablingen: Systematische Misshandlungen und Demütigungen
Recherchen von BR und dem ARD-Politmagazin Kontraste decken schwere Vorwürfe gegen die Justizvollzugsanstalt (JVA) Augsburg-Gablingen auf. Demnach sollen Beamte der Sicherungsgruppe (SIG) Gefangene systematisch gedemütigt und misshandelt haben – aus Spaß und mit Billigung der damaligen Vizechefin. Chats, die den Ermittlern vorliegen, zeigen eine zynische Kultur: Ein Beamter schrieb von einem „geilen Tag“ mit „viel Spaß“, die Vizechefin selbst räumte in Chatnachrichten rechtswidriges Handeln ein.
Gewalt in Spezialzellen und bei Razzien
Die Vorwürfe reichen von Würgen, Faustschlägen, Tritten und Schlagstockeinsatz bis zum Einsperren psychisch kranker oder verletzter Gefangener in besonders gesicherte Hafträume (bgH) – leere Betonzellen ohne Decke oder Matratze, in denen Inhaftierte teilweise zwei Wochen verbringen mussten. Ein Gutachter brach einen Selbstversuch aus Sorge vor Langzeitschäden ab. Bei einer Drogenrazzia im benachbarten Jugendgefängnis sollen Beamte zudem „ohne Rücksicht auf Verluste“ Muskelkraft eingesetzt haben, wie Aussagen geschockter Gefangener belegen.
Staatsanwaltschaft erhebt Anklage
Neben 11 weiteren Bediensteten hat die Augsburger Staatsanwaltschaft Anklage gegen die ehemalige Direktorin der JVA und ihre Stellvertreterin unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt erhoben. Sie sollen das Klima nicht verhindert oder gar gefördert haben. Die Verteidiger betonen das Recht auf ein faires Verfahren; eine der beiden hatte zuvor angekündigt, die stellvertretende Leiterin zu keiner der Vorwürfe befragen zu lassen. Alle Beteiligten sehen sich vor dem Prozess mit juristischen Mitteln wie Ablehnungsgesuchen eingedeckt – dennoch wächst der öffentliche Druck, diese Fälle wieder aufnehmen zu lassen. Skeptische Juristen halten eine umfassende Verhandlung schon aus Gründen der Staatsräson für unabweisbar.
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