Ungarn nach Orbáns Niederlage: Neue Regierung setzt auf EU-Annäherung und pragmatischen Russland-Kurs
Wichtige Fakten
- • Magyars Tisza-Partei gewann 138 von 199 Parlamentssitzen und kann die Verfassung ändern.
- • Magyar will 17 Milliarden Euro eingefrorene EU-Gelder freigeben und die staatlichen Medien reformieren.
- • Die Ukraine hob ihre Reisewarnung für Ungarn auf und hofft auf Normalisierung der Beziehungen.
- • Magyar lehnt Waffenlieferungen an die Ukraine ab, will aber EU-Hilfen nicht blockieren.
- • Der Kreml signalisiert Gesprächsbereitschaft, stuft Ungarn aber weiter als 'unfreundliches Land' ein.
Politische Wende in Ungarn nach Orbáns Niederlage
Nach seinem Erdrutschsieg bei der Parlamentswahl, bei dem seine Tisza-Partei 138 von 199 Sitzen gewann, hat Ungarns neuer Premierminister Péter Magyar für Mittwoch ein Treffen mit Präsident Tamás Sulyok vereinbart, um die Regierungsbildung zu besprechen. Das Treffen könnte angespannt verlaufen, da Magyar wiederholt Sulyoks Rücktritt gefordert hat. Der neue Regierungschef kündigte an, die russischen Energieverträge Ungarns zu überprüfen und gegebenenfalls neu zu verhandeln, betonte aber zugleich eine pragmatische Haltung gegenüber Moskau, da Ungarn weiterhin auf russische Energielieferungen angewiesen ist. In seinem ersten Interview mit staatlichen Medien seit eineinhalb Jahren plant Magyar, die staatlichen Rundfunkanstalten zu reformieren und sich dabei an der BBC zu orientieren.
Internationale Reaktionen auf den Machtwechsel
US-Vizepräsident JD Vance verteidigte seinen Besuch in Ungarn zur Unterstützung Orbáns im Wahlkampf, erklärte aber, dass die US-Regierung gut mit Premierminister Magyar zusammenarbeiten werde. Die Ukraine begrüßt die Niederlage Orbáns, ihres schärfsten Kritikers in der EU, mit Erleichterung, da dies den Weg für ein dringend benötigtes EU-Hilfspaket von 90 Milliarden Euro ebnet. Präsident Volodymyr Zelenskyj traf sich am Dienstag mit dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz in Berlin und hob die Reisewarnung für Ungarn auf, während er auf pragmatische Beziehungen mit der neuen Regierung hofft. Der Kreml signalisierte Gesprächsbereitschaft mit Magyar, betonte aber, dass Ungarn als 'unfreundliches Land' eingestuft bleibt.
Auswirkungen auf die europäische Rechte
Die Niederlage Orbáns, der als Galionsfigur der Neuen Rechten in Europa galt, wird von der AfD als herber Schlag empfunden. AfD-Chefin Alice Weidel hatte Orbán als 'großes Vorbild' gelobt und seinen Wahlkampf unterstützt, doch nun bricht in der Partei eine Debatte über die Zukunft aus. Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder sieht in Orbáns Niederlage einen Verlust für die Neue Rechte, da er als Brückenbauer zwischen den Lagern fungierte. EU-Parlamentarierin Tineke Strik hofft, dass Magyars Regierung mit ihrer Zweidrittelmehrheit die Rechtsstaatlichkeit in Ungarn wiederherstellen und damit eingefrorene EU-Gelder in Höhe von 17 Milliarden Euro freigeben kann.
Wirtschaftliche und diplomatische Entwicklungen
Magyar hat die Freigabe der 17 Milliarden Euro eingefrorener EU-Gelder als oberste Priorität bezeichnet und betont, dass Ergebnisse innerhalb enger Fristen erzielt werden können. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen begrüßte die Rückkehr Ungarns ins Herz Europas und betonte die Notwendigkeit, Rechtsstaatlichkeit wiederherzustellen. Der ukrainische Zentralbankchef Andriy Pyshnyi warnt, dass steigende Ölpreise aufgrund des Nahostkrieges die Inflation erhöhen könnten. Magyar lehnt Waffenlieferungen an die Ukraine ab und unterstützt keinen EU-Beitritt des Landes während des Krieges, betont aber, dass er EU-Hilfen nicht blockieren wird.
Das könnte Sie auch interessieren
Kein Briefing mehr verpassen
Das Wichtigste des Tages jeden Morgen direkt ins Postfach.