Taliban-Delegation verhandelt in Brüssel über Abschiebungen
Wichtige Fakten
- • Taliban-Delegation verhandelt in Brüssel über Abschiebungen.
- • Delegationsleiter Abdul Qahar Balkhi kämpfte gegen Bundeswehr in Kundus.
- • Balkhi ist neuseeländischer Staatsbürger und spricht exzellentes Englisch.
- • Taliban fordern mehr Diplomaten in Europa als Gegenleistung.
- • EU will Abschiebungen nach Afghanistan erleichtern.
Anlass und Beteiligte
Eine fünfköpfige Delegation der Taliban unter Leitung von Abdul Qahar Balkhi ist nach Brüssel gereist, um mit Vertretern von EU-Staaten über Abschiebungen nach Afghanistan zu verhandeln. Der 37-jährige Spitzendiplomat, der exzellentes Englisch spricht und in Neuseeland aufgewachsen ist, hat gegenüber dem NDR bestätigt, während des Krieges als Mudschaheddin in Kundus gegen die Bundeswehr gekämpft zu haben.
Positionen und Ziele
Während die EU die Rücknahme abgelehnter Asylbewerber erleichtern möchte, verfolgen die Taliban nach NDR-Informationen eine eigene Agenda: Sie fordern die Akkreditierung weiterer Diplomaten in Europa als Gegenleistung. Balkhi wies zuvor Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen zurück und betonte, das Islamische Emirat regiere das Land und biete Alternativen für Mädchenbildung wie Madrassas und Online-Unterricht.
Reaktionen und Hintergrund
Der deutsche Afghanistan-Veteran Johannes Clair, der 2010/2011 in Kundus war, äußerte Wut und Unverständnis. Er bezeichnete Balkhis Werdegang – westlich sozialisiert, dann radikalisiert und als Taliban-Kämpfer gegen die Bundeswehr – als diskreditierend für weitere Gespräche. Deutschland hatte zuvor bereits Abschiebeflüge ermöglicht, wofür es Zugeständnisse an die Taliban gab.
Das könnte Sie auch interessieren
Kein Briefing mehr verpassen
Das Wichtigste des Tages jeden Morgen direkt ins Postfach.