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Wirtschaft 21.05.2026, 05:25 Aktualisiert: 21.05.2026, 08:02

Ölkrise paradoxer Nebeneffekt: Deutsche Chemie als Profiteur

Blockade der Straße von Hormus trifft asiatische Chemiekonzerne besonders.

Wichtige Fakten

  • Blockade der Straße von Hormus trifft asiatische Chemiekonzerne besonders.
  • Asien bezieht 60-70% Naphtha über Hormus.
  • Deutsche Chemie profitiert kurzfristig von weniger Wettbewerbsdruck.
  • Aktien wie BASF, Lanxess notieren höher als vor dem Iran-Krieg.
  • Strukturelle Probleme hoher Energiepreise und Überkapazitäten bleiben.

Die Blockade der Straße von Hormus und steigende Ölpreise belasten zwar die deutsche Chemieindustrie, verschaffen ihr aber paradoxerweise einen temporären Wettbewerbsvorteil. Wie die ARD-Finanzredaktion berichtet, trifft die Krise asiatische Produzenten deutlich härter: Sie beziehen 60 bis 70 Prozent ihres Naphthas und 45 Prozent des Flüssiggases über die Meerenge. "Viele asiatische Länder sind von den direkten Knappheiten stärker betroffen als ihre europäischen Wettbewerber", sagt Thomas Schulte-Vorwick, Chemie-Analyst bei Metzler. Lagervorräte deutscher Kunden werden präventiv aufgestockt, die Nachfrage steigt.

Lanxess-Chef Matthias Zachert berichtet seit März ein erstes "positives Momentum": Gestörte Lieferketten asiatischer Konkurrenten ließen Kunden wieder stärker auf europäische Anbieter setzen. Lieferfähigkeit sei derzeit ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Die Börse honoriert diesen Trend: Aktienkurse von BASF, Lanxess, Wacker und Evonik liegen teils höher als vor dem Iran-Krieg. Analyst Schulte-Vorwick sieht die Möglichkeit, dass europäische Firmen kurzfristig Marktanteile zurückgewinnen: "Durch die Stillstände in Asien und die deutlich gestiegenen Frachtraten ist das durchaus möglich."

Die strukturellen Probleme der Branche bestehen jedoch fort: Hohe Energiepreise, niedrige Auslastung und chinesische Überkapazitäten. Der Chemie-Verband VCI warnt: drei Jahre Auftragsmangel drückten die Produktion chemischer Erzeugnisse 2025 um knapp ein Fünftel unter das Vor-Krisen-Niveau. Sobald die Routen wieder frei sind, dürfte der Preisdruck zurückkehren. VCI-Chefvolkswirt Meineke betont daher: "Wir müssen die strukturellen Schwächen angehen und Wirtschaftsreformen voranbringen." Die Ölkrise verschafft der deutschen Chemie also nur Zeit - keine Renaissance.

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