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Wirtschaft 30.04.2026, 00:08 Aktualisiert: 30.04.2026, 06:02

Schottlands Problem mit dem gerechten Übergang: Von Öl zur Empathie

Britische Öl- und Gasindustrie verlor 70.000 Arbeitsplätze im letzten Jahrzehnt.

Wichtige Fakten

  • Britische Öl- und Gasindustrie verlor 70.000 Arbeitsplätze im letzten Jahrzehnt.
  • Nur 39.000 neue Stellen in erneuerbaren Energien im gleichen Zeitraum.
  • Iona Macdonald wechselte nach Kündigung von Öljob in Pub (Mindestlohn).
  • Schließung von Grangemouth-Ölraffinerie betrifft über 400 direkte Arbeitsplätze.

Vom Ölboom zum grünen Stillstand: Schottlands Probleme mit der gerechten Transition

Iona Macdonald, Chemikerin und 25 Jahre in der Öl- und Gasindustrie tätig, verlor vor zwei Jahren ihren gutbezahlten Job und arbeitet nun zum Mindestlohn in einer Glasgower Kneipe. Ihr Fall steht stellvertretend für viele: Laut Paul de Leeuw vom Energy Transition Institute der Robert Gordon University ist die Öl- und Gasbelegschaft in Großbritannien im letzten Jahrzehnt um 70.000 auf 115.000 gesunken, während im gleichen Zeitraum nur 39.000 neue Stellen in erneuerbaren Energien entstanden sind. Die nordseeölproduktion erreichte 1999 einen Höchststand von 4,5 Millionen Barrel pro Tag und lag 2024 bei nur etwas über einer Million. Die Abbaurate übersteigt die Schaffung neuer Arbeitsplätze bei weitem.

In Aberdeen, dem Zentrum der britischen Ölindustrie, sind nun diverse Zuliefererketten und Dienstleistungssektoren betroffen. Die Schließung der Ölraffinerie in Grangemouth, bei der mehr als 400 Direktstellen und zusätzlich 2.800 Arbeitsplätze in der Lieferkette verloren gingen, war ein weiterer Schock. Der Konflikt im Nahen Osten trägt dazu bei, dass einige Politiker wie US-Präsident Donald Trump oder die schottischen Reformer für mehr Ölförderung plädieren, während die Energiepolitik der Labour-Regierung und der SNP verspricht, die ehemaligen Ölarbeiter in die saubere Zukunft mitzunehmen. Allerdings fehlt es bisher an konkreten Umsetzungserfolgen.

Politische Divergenzen und grassierende Zweifel

Die schottischen Parteien sind sich uneinig: Die SNPs erste Ministerin setzt auf einen gemäßigten Kurs, bei dem neue Förderlizenzen nur dann gewährt werden, wenn sie mit den Klimazielen vereinbar sind – letztlich aber eine Lockerung signalisiert. Die Labour Partei auf schottischer Ebene befürwortet sowohl Investitionen in erneuerbare Energien als auch die Prüfung neuer Atomkraftwerke. Konservative und Liberaldemokraten äußern Skepsis und fordern vorerst weiterhin heimisches Öl zu fördern, offenbar um die Energieunabhängigkeit zu sichern. Unterdessen zweifeln ehemalige Anglo-Öler wie Macdonald an einem schnellen und gerechten Übergang: Sie haben Alternativen vergeblich gesucht und kommen zu dem Schluss, das Versprechen sei nicht eingehalten worden.

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