Spritpreise in Deutschland: Verdacht auf Wettbewerbsstörung und politische Gegenmaßnahmen
Wichtige Fakten
- • Experten halten aktuelle Spritpreise für überproportional hoch.
- • Die Monopolkommission kritisiert starke Konzentration in der Mineralölbranche.
- • Die Regierung plant eine tägliche Preisänderungsbeschränkung für Tankstellen.
- • Das Bundeskartellamt leitete eine Sektoruntersuchung ein und sieht Wettbewerbsstörungen.
- • Die Beweislast soll umgekehrt werden: Konzerne müssen Preissteigerungen rechtfertigen.
Hintergrund
Die Mineralölwirtschaft in Deutschland steht massiv in der Kritik, da Experten die aktuellen Spritpreise für verdächtig hoch halten. Der Vorwurf lautet, dass Unternehmen den Ölpreisschock infolge des Kriegs im Nahen Osten ausnutzen, um Übergewinne zu erzielen. Laut Greenpeace könnten diese täglich 21 Millionen Euro betragen. Wettbewerbsökonom Justus Haucap vom DICE-Institut weist darauf hin, dass die Margen bei Raffinerien ähnlich wie nach dem Ukraine-Krieg gestiegen seien, wobei eine Risikoprämie aufgrund des knapperen Angebots nachvollziehbar ist.
Wettbewerbsprobleme
Die Monopolkommission stellt fest, dass die Preisanstiege in Deutschland höher ausfallen als in anderen europäischen Ländern, was auf eine starke Konzentration in der Branche zurückzuführen ist. Fünf große Mineralölkonzerne beherrschen den Markt, und ihre Verflechtungen durch gemeinsame Raffinerien oder Pipelines erschweren den Wettbewerb. Rupprecht Podszun vom Institut für Kartellrecht betont, dass diese Struktur es einfach macht, sich auf Preise zu verständigen, ohne explizite Kartellabsprachen.
Politische Reaktionen
Die schwarz-rote Koalition hat ein Spritpreis-Paket vorgelegt, das unter anderem vorsieht, dass Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich erhöhen dürfen. Zudem plant die Regierung eine Verschärfung des Kartellrechts, einschließlich einer Umkehr der Beweislast: Unternehmen müssen nun Preissteigerungen rechtfertigen. Das Bundeskartellamt hatte bereits eine Sektoruntersuchung eingeleitet und sieht Anhaltspunkte für Wettbewerbsstörungen, wobei einige Konzerne die Untersuchung verzögern.
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