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International 17.03.2026, 05:00 Aktualisiert: 17.03.2026, 23:07

Epsteins Steuertricks als Geschäftsmodell und internationale Ermittlungen

Leon Black zahlte Epstein 23-26 Mio. USD jährlich für Steuerberatung.

Wichtige Fakten

  • Leon Black zahlte Epstein 23-26 Mio. USD jährlich für Steuerberatung.
  • Epsteins Firma BV70 nutzte Scheinspenden für Steuervorteile ohne dauerhaften Geldfluss.
  • Amerikanische Jungferninseln klagten wegen 80 Mio. USD Steuerbetrugs durch Epsteins Bioinformatik-Firma.
  • Deutsche Bank-Compliance hinterfragte auffällige Epstein-Geldbewegungen wiederholt.
  • Norwegens Parlament beschloss unabhängige Untersuchung zu Epstein-Verbindungen im Außenministerium.

Steuertricks als Geschäftsmodell

Recherchen von WDR, NDR und SZ zeigen, dass Jeffrey Epstein einen Teil seines Vermögens durch Steuertricks erzielte, die er gewinnbringend als Beratungsleistung an Milliardäre wie Leon Black, Mitgründer der Investmentfirma Apollo, verkaufte. Black zahlte Epstein laut einem Bericht der Anwaltskanzlei Dechert zwischen 2012 und 2018 durchschnittlich 23 bis 26 Millionen US-Dollar pro Jahr für Nachlass- und Steuerberatung, wobei die tatsächliche Wertigkeit dieser Ratschläge unklar bleibt. Black behauptete öffentlich, Epsteins Tipps hätten ihm mindestens eine Milliarde Dollar gespart, betonte aber die Legalität.

Systematische Steuerumgehung

Epstein nutzte komplexe Strukturen wie die Firma BV70 für Scheinspenden, die Steuervorteile generierten, ohne dass Geld dauerhaft floss. Beispielsweise überwies Black über BV70 zehn Millionen Dollar an eine gemeinnützige Firma Epsteins, erhielt eine Spendenquittung für Steuervorteile, und das Geld wurde Jahre später zurücküberwiesen. Die Anwaltskanzlei Dechert fand sogar Spendenquittungen ohne tatsächliche Überweisungen. Eine Klage der Amerikanischen Jungferninseln aus dem Jahr 2020 wirft Epstein vor, durch falsche Angaben zu einer Bioinformatik-Firma Steuerbefreiungen erschlichen und so etwa 80 Millionen Dollar an Steuereinnahmen hinterzogen zu haben, was in einem Vergleich endete.

Banken und Compliance-Probleme

Die Deutsche Bank, bei der Epstein ab 2013 Großkunde war, bemerkte auffällige Geldbewegungen, insbesondere im Zusammenhang mit BV70 und Black. Compliance-Mitarbeiter hinterfragten wiederholt den wirtschaftlichen Zweck der Transaktionen, und es gab sogar Drohungen mit Kontoschließung. Doch interne Berichte nach Epsteins Tod erwähnten diese Bedenken kaum. Die Bank bedauert heute die Geschäftsbeziehung mit Epstein und verglich sich mit US-Behörden, wobei sie über 100 Millionen Dollar Strafe zahlte, auch wegen des Epstein-Skandals.

Internationale Ausweitung der Ermittlungen

Das norwegische Parlament hat einstimmig beschlossen, eine unabhängige Untersuchungskommission einzusetzen, um Verbindungen zwischen dem norwegischen Außenministerium und Jeffrey Epstein zu untersuchen. Premierminister Jonas Gahr Støre betonte, die Epstein-Akten hätten gezeigt, dass Einfluss gekauft und missbraucht werden könne, und nannte Verbindungen zu Norwegern in vertrauensvollen Positionen als erwiesen. Die Untersuchung wird auch Norwegens Kampagnen für Top-Positionen in internationalen Organisationen und die Verwendung von Entwicklungshilfe prüfen, wobei mehrere hochrangige Personen, darunter eine ehemalige Botschafterin und ein Ex-Premierminister, in den Akten erscheinen.

US-Justizministerium unter Druck

Die US-Justizministerin Pam Bondi wurde vom US-Kongress förmlich vorgeladen, um Fragen zur Handhabung der Epstein-Untersuchung und der Veröffentlichung der Epstein-Akten zu beantworten. Kritiker werfen dem Justizministerium vor, persönliche Informationen von Überlebenden preisgegeben und gleichzeitig Namen von möglichen Straftätern zurückgehalten zu haben, was gegen das Epstein Files Transparency Act verstößt. Bondi soll am 14. April unter Eid aussagen, nachdem sie sich bisher weigerte, einer Vorladung nachzukommen.

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