Taliban heimlich an der Spitze der afghanischen Botschaft in Berlin
Wichtige Fakten
- • Nebrasul H. wurde heimlich zum Geschäftsträger der afghanischen Botschaft in Berlin ernannt.
- • Die Bundesregierung wurde über den Wechsel absichtlich nicht informiert und erkennt die Taliban nicht an.
- • Der vorherige Geschäftsträger Abdul P. dient nur noch als Strohmann und wurde degradiert.
- • Die Taliban wollten den Schein bis zum 20. März 2026 aufrechterhalten.
- • Ähnliche Vorfälle gab es bereits im afghanischen Generalkonsulat in Bonn.
Heimliche Machtübernahme in Berlin
Nach ARD-Recherchen ist ein Mitglied der Taliban, Nebrasul H., heimlich zum Chef der afghanischen Botschaft in Berlin ernannt worden, ohne dass die Bundesregierung darüber informiert wurde. Deutschland ist damit der erste EU-Staat, in dem die Islamisten faktisch eine Botschaft leiten. Nebrasul H. war im Juli 2025 als Konsularbeamter mit Zustimmung der Bundesregierung nach Berlin gekommen, um Abschiebungen nach Afghanistan vorzubereiten, übernahm jedoch intern die Kontrolle als Geschäftsträger.
Diplomatische Täuschung und interne Machtverschiebung
Die Taliban hielten den Wechsel bewusst geheim, indem sie den bisherigen Geschäftsträger Abdul P. als Strohmann nach außen beibehielten. Dokumente zeigen, dass Abdul P. bereits Anfang Januar 2026 entmachtet und zu einem lokalen Mitarbeiter degradiert wurde, aber weiterhin in der Botschafterresidenz in Zehlendorf wohnt und ein Auto mit Diplomatenkennzeichen fährt, um den Schein zu wahren. Das Auswärtige Amt wurde fast drei Monate lang im Unklaren gelassen, und die Taliban planten, den Status quo bis zum 20. März 2026 aufrechtzuerhalten.
Politische Brisanz und deutsche Reaktion
Die Bundesregierung, die die Taliban nicht als legitime Regierung Afghanistans anerkennt, hatte betont, dass afghanische Vertretungen von vor der Machtübernahme akkreditierten Personen geleitet werden sollten. Die heimliche Übernahme durch einen Taliban-Vertreter stellt dies in Frage und könnte die Beziehungen belasten. Ähnliche Vorfälle gab es bereits im afghanischen Generalkonsulat in Bonn, wo ein weiterer Taliban-Beamter die Leitung übernahm, was die diplomatischen Spannungen verschärft.
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