Teilen:
Politik 18.06.2026, 02:03 Aktualisiert: 18.06.2026, 18:01

Iran-Abkommen: Minen und Versicherungen bremsen Rückkehr zur Normalität

Bundeswehr verlegt Minenjagdboot 'Fulda' und Tender 'Mosel' nach Dschibuti.

Wichtige Fakten

  • Bundeswehr verlegt Minenjagdboot 'Fulda' und Tender 'Mosel' nach Dschibuti.
  • Rund 500 Handelsschiffe warten im Persischen Golf auf Durchfahrt.
  • Ölpreis fällt auf 77 Dollar je Barrel, tiefster Stand seit März.
  • Experten: Minenräumung in der Straße von Hormus könnte 40 Tage bis 6 Monate dauern.
  • Bundestagsmandat und Waffenstillstand nötig für deutschen Mineneinsatz.

Minenräumung und Sicherheitsbedenken

Die USA und der Iran haben die Absichtserklärung zur Beendigung ihres Konflikts früher als geplant unterzeichnet. US-Präsident Donald Trump setzte seine Unterschrift am Mittwochabend im Schloss Versailles nach dem G7-Gipfel, während Irans Präsident Massud Peseschkian digital unterzeichnete. Pakistan als Vermittler gab bekannt, dass das Abkommen mit sofortiger Wirkung in Kraft trete. Die Straße von Hormus werde geöffnet, die US-Seeblockade aufgehoben. Ursprünglich war die Unterzeichnung für Freitag in der Schweiz geplant, doch nun sollen dort ab Freitag die direkten Verhandlungen beginnen. Das größte unmittelbare Risiko sind jedoch Minen – die US-Regierung und viele Experten gehen davon aus, dass der Iran die Straße von Hormus teilweise vermint hat. Daher ist zunächst ein Einsatz zur Minenräumung nötig, für den unter anderem europäische Staaten schon Vorbereitungen getroffen haben. Laut maritimen Sicherheitsexperten könnte die Räumung 40 bis 50 Tage dauern, andere Fachleute rechnen mit bis zu sechs Monaten. Ohne bezahlbare Versicherung werden viele Reeder die Route trotz politischer Einigung meiden.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Die vereinbarte Öffnung der Straße von Hormus ließ den Brent-Ölpreis auf rund 77 Dollar je Barrel und damit auf den niedrigstenStand seit Anfang März fallen. Während des Krieges war Brent zeitweise auf mehr als 120 Dollar gestiegen. Die Kraftstoffpreise sind bereits in Richtung Vorkriegsniveau gesunken: Diesel verbilligte sich um 9,1 Cent auf 1,797 Euro, Super E10 um 5,2 Cent auf 1,854 Euro. Experten rechnen jedoch nicht mit einer schnellen Rückkehr zum Vorkriegsniveau: Shell-Chef Wael Sawan zufolge könnte es bis zu einem Jahr dauern, bis sich der Energiemarkt vollständig eingependelt hat. Dem Verband Deutscher Reeder zufolge sitzen noch 46 Schiffe deutscher Reedereien mit rund 1.000 Seeleuten im Persischen Golf fest. Spekulationen über eine mögliche Maut für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus sorgen für zusätzliche Unsicherheit.

Bundeswehr bereitet sich vor

Die Bundeswehr hat zwei Marineschiffe ins Rote Meer verlegt. Das Minenjagdboot 'Fulda' und das Versorgungsschiff 'Mosel' passierten den Suezkanal und nehmen Kurs auf den Hafen von Dschibuti. Ob es tatsächlich zu einem Minenräumeinsatz kommt, ist noch offen. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius sagte am Rande eines NATO-Treffens in Brüssel, Deutschland wolle bei Bedarf schnell reagieren können. Grundsätzlich sei Deutschland bereit, die Meerenge mit abzusichern, doch dieBedingungen müssten stimmen: Für einen Einsatz ist ein belastbarer Waffenstillstand und ein Bundestagsmandat nötig. Die Marine-Schifffahrtsleitung in Hamburg koordiniert bereits die Rückkehr der gestrandeten Schiffe und bereitet sich auf einen möglichen Massenansturm vor. Insgesamt warten rund 500 Handelsschiffe im Persischen Golf auf Weiterfahrt.

Kein Briefing mehr verpassen

Das Wichtigste des Tages jeden Morgen direkt ins Postfach.

Mit der Anmeldung akzeptieren Sie unsere Datenschutzbestimmungen. Abmeldung jederzeit.