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Inland 10.02.2026, 10:51 Aktualisiert: 10.02.2026, 23:09

AfD in Sachsen-Anhalt: Vetternwirtschaftsvorwürfe weiten sich aus - Bundesvorstand sucht Lösung

AfD liegt in Umfragen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bei fast 40 Prozent

Wichtige Fakten

  • AfD liegt in Umfragen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bei fast 40 Prozent
  • Medien decken Beschäftigung von Verwandten mehrerer AfD-Politiker in Abgeordnetenbüros auf
  • Bundesvorstandssitzung dauerte zweieinhalb Stunden, Kay Gottschalk bietet sich als Vermittler an
  • Landesvorsitzender Martin Reichardts Angehörige bei Jan Wenzel Schmidt beschäftigt
  • Parteiausschlussverfahren gegen Schmidt läuft, er bestreitet Vorwürfe und wirft Gegenvorwürfe

Vetternwirtschaftsvorwürfe weiten sich aus

Knapp sieben Monate vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sieht sich die AfD mit sich ausweitenden Vorwürfen der Vetternwirtschaft und eskalierenden internen Machtkämpfen konfrontiert, obwohl sie in Umfragen mit fast 40 Prozent deutlich führt. Neue Recherchen von Tagesschau, WDR und NDR zeigen, dass nicht nur Verwandte des Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund, sondern auch nahe Angehörige des Landesvorsitzenden Martin Reichardt in Büros von Parteikollegen beschäftigt waren. So sollen zwei Familienmitglieder Reichardts im Bundestagsbüro des Abgeordneten Jan Wenzel Schmidt angestellt gewesen sein, mit Verträgen über 520 und 800 Euro monatlich.

Bundesvorstand sucht Lösung für eskalierenden Konflikt

Die Bundesvorstandssitzung am Montag dauerte fast zweieinhalb Stunden, wobei die Situation in Sachsen-Anhalt im Mittelpunkt stand. Vorstandsmitglied Kay Gottschalk hat sich offenbar als möglicher Vermittler zwischen den verfeindeten Lagern ins Spiel gebracht. Im Zentrum des Konflikts steht der ehemalige Generalsekretär Jan Wenzel Schmidt, gegen den ein Parteiausschlussverfahren läuft. Schmidt bestreitet die Vorwürfe der Bereicherung und Untreue und kontert mit eigenen Enthüllungen über Vetternwirtschaft innerhalb der Partei.

Spitzenkandidat in der Defensive

Ulrich Siegmund geht in die Vorwärtsverteidigung und bezeichnet die Vorwürfe in einem Social-Media-Video als "riesige Kampagne". Er sieht kein Problem darin, "ein Familienmitglied anzustellen von einem anderen Abgeordneten oder Parteifreund, weil Vertrauen bei uns das Entscheidende ist". Sein Vater Andreas soll laut Unterlagen für 7.725 Euro monatlich beim Bundestagsabgeordneten Thomas Korell angestellt sein. Diese sogenannten Über-Kreuz-Beschäftigungen sind rechtlich nicht verboten, werden aber innerhalb und außerhalb der Partei kritisch gesehen.

Basis fordert Eingreifen des Bundesvorstands

AfD-Mitglieder aus Sachsen-Anhalt haben in einem Brief an den Bundesvorstand flehentlich um ein ordnendes Eingreifen gebeten, um die "historische Chance" auf eine Regierungsübernahme nicht zu verspielen. Sie fordern eine unabhängige Prüfung der Vorgänge. Der Bundesvorstand hat den Brief allerdings zuständigkeitshalber an den Landesvorstand weitergeleitet. Während Parteichef Tino Chrupalla betont, dass die Beschäftigungen "rechtlich möglich" seien, zeigt er auch ein "Störgefühl".

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