Sprit, Dürre und Energie: Deutschland im Krisenherbst
Wichtige Fakten
- • Bauernpräsident Rukwied: Ernteeinbußen, Totalausfall möglich (14.08.2026).
- • Grüne fordern Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne, bis zu drei Milliarden Euro erwartet.
- • Diesel seit Juli 34 Cent teurer, US-Dieselbestände auf 30-Jahres-Tief.
- • Trockenheit senkt Rheinwasserstand, behindert Sprittransport und Kraftwerkskühlung.
- • Landwirtschaft fordert höhere EU-Düngemittelhilfe und Steuersenkung auf Agrardiesel.
Hohe Spritpreise und die Forderung nach staatlichen Eingriffen
Die hohen Spritpreise in Deutschland bleiben ein zentrales Thema. Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge spricht von „Abzocke“ und fordert eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne. Die Einnahmen, die sie auf bis zu drei Milliarden Euro schätzt, sollen über eine Stromsteuersenkung an die Haushalte zurückgegeben werden. Auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) unterstützt diese Idee. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lehnt sowohl die Übergewinnsteuer als auch eine Spritpreisbremse ab. Der ADAC bestätigt, dass das Preisniveau seit Wochen zu hoch ist.
Preisentwicklung und Ursachen der Knappheit
Seit Anfang Juli sind die Spritpreise deutlich gestiegen: Diesel um rund 34 Cent pro Liter, Super E10 um gut 20 Cent. Das Auslaufen des Tankrabatts erklärt nur einen Teil des Anstiegs. Die Preise haben sich vom Rohölpreis entkoppelt, der seit seinem Kriegshoch von 126 Dollar auf unter 96 Dollar gefallen ist. Entscheidend sind die hohen Raffineriemargen: Der Diesel-Crack-Spread liegt mit über 90 Dollar nahe seinem Rekordhoch. Ursachen sind der Iran-Krieg, der Raffinerien beschädigt und die Straße von Hormus blockiert, ukrainische Drohnenangriffe auf russische Raffinerien sowie ein russischer Exportstopp seit dem 8. Juli. Die IEA beschreibt Raffinerien als „zentrales Nadelöhr“.
Dürre: Auswirkungen auf Landwirtschaft und Energie
Die anhaltende Trockenheit verschärft die Lage. Der Deutsche Bauernverband rechnet mit erheblichen Ernteeinbußen; Bauernpräsident Joachim Rukwied warnt vor Totalausfällen in Süddeutschland. Die Landwirtschaft fordert Unterstützung, darunter eine höhere EU-Düngemittelbeihilfe von 60 auf 180 Millionen Euro, die Auszahlung von 80 Prozent der EU-Direkthilfen vorzuziehen und den Agrardiesel bis Ende November steuerlich zu senken. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) sichert Hilfen zu, die Ende August auf Basis amtlicher Erntedaten bewertet werden sollen. Auch das Energiesystem leidet: Atomkraftwerke an Donau und Rhône mussten ihre Leistung drosseln, und der Rhein-Niedrigwasserstand behindert den Transport von Rohöl und Kohle, was die Kosten weiter steigen lässt.
Ausblick auf den Winter und strukturelle Risiken
Die USA exportieren zwar viel Diesel, aber die Raffinerien sind zu 96 Prozent ausgelastet und die Bestände liegen auf dem niedrigsten Stand seit 30 Jahren. Sollten die USA ihre Exporte drosseln, drohen weitere Preissteigerungen. Rohstoffexpertin Thu Lan Nguyen erwartet keine schnelle Entspannung an den Tankstellen.
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