Windkraft-Infraschall-Studie: Fachleute kritisieren Methodik
Wichtige Fakten
- • Eine Poster-Studie behauptet Gesundheitsrisiken durch Windrad-Infraschall.
- • Fachleute kritisieren das ökologische Studiendesign ohne individuelle Daten.
- • Die statistische Auswertung sei nicht nachvollziehbar beschrieben worden.
- • Das Umweltbundesamt fürchtet eine populistische Instrumentalisierung der Ergebnisse.
- • Autor Christian-Friedrich Vahl ist seit 2020 nicht mehr an der Uni Mainz eingebunden.
Windkraftgegner verbreiten eine Untersuchung zu Infraschall von Windkraftanlagen, die angeblich messbare und signifikante Schäden am menschlichen Herz feststellt. Die Schweizer Initiative „IG Gegenwind Auf-Heerbrug“ teilt die Studie auf Facebook. Hauptautor und ehemaliger Mainzer Professor Christian-Friedrich Vahl stellte die Ergebnisse im April beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin als Poster vor. Darin werden zwei Gemeinden mit vielen Windrädern im Kreis Paderborn mit zwei Gemeinden mit wenigen Anlagen verglichen. Die Autoren schließen daraus, es gebe mehr neue Herzerkrankungen in windradreichen Gebieten, und fordern sofortige Aufklärungsmaßnahmen.
Epidemiologe Bernd Kowall von der Uniklinik Essen kritisiert, dass es sich um eine rein ökologische Studie ohne individuelle Expositionsdaten handelt. Diese erlaube keine kausalen Aussagen. Auch die dünne Dokumentation der statistischen Analysen und die mangelnde Nachvollziehbarkeit werden beanstandet. Das Umweltbundesamt warnt vor einer populistischen Instrumentalisierung. Die Initiative Vernunftkraft verbreite die Ergebnisse bereits ohne die fachliche Kritik zu erwähnen.
Vahl stützt sich zudem auf ein früheres Experiment von 2019, bei dem deutlich höhere Infraschallpegel zum Einsatz kamen als real üblich. Fachleute monieren die nicht gegebene Übertragbarkeit. Ein echtes Gremium hinter der angeblichen „Arbeitsgruppe Infraschall“ an der Universitätsmedizin Mainz gebe es nicht, so die Klinik. Vahl ist seit 2020 emeritiert. Auch die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin räumt ein, dass Poster nicht die strengen Peer-Review-Bedingungen wissenschaftlicher Journalbeiträge erfüllen. Umweltwissenschaftler Stefan Holzheu von der Universität Bayreuth betont, dass Windräder zwar Infraschall erzeugen, doch deutlich leiser als übliche Alltagslärmquellen seien. Willkommen bleibe die Forschung, aber belastbare Belege für die dort vorgebrachten Thesen lieferten andere Studien noch nicht.
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