Asylbewerber nach Syrien zurückgeschickt: Erster Fall unter "One in, one out"-Deal
Wichtige Fakten
- • Kurdischer Syrer, 26, floh vor Zwangsrekrutierung durch YPG-Miliz.
- • Asylantrag in Frankreich abgelehnt; Rückkehr nach Syrien für sicher erklärt.
- • Seit September 2025 wurden 561 Personen im Rahmen des Deals nach Frankreich abgeschoben.
- • Syrien steht nicht auf der EU-Liste sicherer Herkunftsländer.
- • Anwältin kritisiert Verstoß gegen die Genfer Flüchtlingskonvention.
Hintergrund des "One in, one out"-Deals
Der britische Premierminister Keir Starmer und der französische Präsident Emmanuel Macron schlossen im Juli 2025 einen Deal zur Reduzierung der Ärmelkanal-Überquerungen. Das Abkommen sieht vor, dass ein Asylbewerber, der mit einem kleinen Boot nach Großbritannien kommt, nach Frankreich zurückgeschickt wird, während ein anderer legal ins Vereinigte Königreich einreisen darf. Frankreich gilt dabei als sicheres Rückführungsland. Laut Innenministerium wurden seit September 2025 561 Personen nach Frankreich abgeschoben, während 551 legal einreisten. Trotz des Deals erreichten am 18. April 2026 jedoch 602 Asylsuchende mit kleinen Booten Großbritannien, was die abschreckende Wirkung des Abkommens infrage stellt.
Einzelfall eines kurdischen Syrers
Ein 26-jähriger kurdischer Syrer, der im November 2025 im Rahmen dieses Deals nach Frankreich abgeschoben wurde, hat nun einen negativen Asylbescheid erhalten. Die französischen Behörden entschieden, dass eine Rückkehr nach Syrien für ihn sicher sei. Der Mann war aus Syrien geflohen, nachdem er von der kurdischen Miliz YPG zur Zwangsrekrutierung aufgefordert worden war. Er gab an, nicht töten zu wollen. Seine Familie hat er aus den Augen verloren. In dem Asylverfahren wurde er hauptsächlich nach seinem Wohnort befragt. Er sieht keinen Ausweg: Eine erneute Boat-Person würde zur Inhaftierung in Großbritannien führen, eine Rückkehr nach Syrien zur Verfolgung durch die YPG.
Rechtliche Bedenken
Die Anwältin Sonia Lenegan kritisierte, dass der Fall zeige, wie real die Gefahr sei, dass Abgeschobene in Verfolgungsländer zurückgeschickt werden, was gegen die Genfer Flüchtlingskonvention verstoße. Eine gemeinsame Aktion des Joint Council for the Welfare of Immigrants gegen die beteiligten Fluggesellschaften hat bereits über 6.500 Unterstützer gefunden. Die britische Regierung erklärte, dass Syrer nur dann zurückgeschickt würden, wenn keine Gefahr von Verfolgung oder schwerem Schaden bestehe, und dass man mit den syrischen Behörden kooperieren werde. Der Mann gilt als erster abschiebungsbedrohter Syrer im Rahmen dieses Programms.
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