DAX und Märkte unter Druck: Iran-Krieg belastet Börsen und treibt Inflationssorgen
Wichtige Fakten
- • Der DAX startet mit einem Minus von gut einem Prozent bei 23.350 Punkten und hat seit Kriegsbeginn sieben Prozent verloren.
- • Der Ölpreis für Brent bleibt bei etwa 100 US-Dollar, was die Inflationssorgen anheizt und die Preise für Benzin und Diesel um zwei Euro pro Liter hält.
- • Die USA erlauben temporär den Kauf von russischem Öl bis zum 11. April, um das Angebot zu entspannen, aber nur für Öl auf Schiffen.
- • Experten warnen, dass ein längerer Krieg die Inflation in Deutschland vorübergehend auf bis zu sechs Prozent steigen lassen könnte.
- • Die Chemieindustrie zieht ihre Jahresprognose zurück und warnt vor extremen Engpässen bei Rohstoffen wie Öl, Gas, Düngemitteln und Helium.
Marktentwicklung und Börseneinbrüche
Seit Beginn des Iran-Krieges vor knapp zwei Wochen setzen sich die Sorgen an den Finanzmärkten fort, wobei der DAX am Freitag mit einem Minus von gut einem Prozent bei 23.350 Punkten startete. Auf Wochensicht verzeichnet der deutsche Leitindex ähnlich hohe Verluste, und insgesamt sind seit Kriegsbeginn bereits sieben Prozent an Wert verloren gegangen. Die US-Börsen setzten ihre Talfahrt fort, mit dem Dow Jones bei minus 1,6 Prozent auf 46.677 Punkte, während auch asiatische Märkte wie der Nikkei in Japan um 1,2 Prozent nachgaben.
Ölpreise und Inflationsrisiken
Der Ölpreis für die Nordseesorte Brent pendelt weiterhin um die 100 US-Dollar pro Barrel, nachdem er zuvor einen Höchststand von fast 120 Dollar erreicht hatte. Diese hohen Energiekosten schüren Inflationsängste, da teures Öl und Gas schnell auf andere Preise durchschlagen könnten. Experten wie Torsten Schmidt vom RWI-Leibniz-Institut warnen, dass bei einem Krieg, der länger als einen Monat dauert, die Inflation in Deutschland vorübergehend auf bis zu sechs Prozent steigen könnte, während an der Zapfsäule Benzin und Diesel weiterhin um zwei Euro pro Liter kosten dürften.
Geopolitische Spannungen und Lieferkettenengpässe
Der Iran-Krieg belastet weiterhin die Märkte, da keine realistische Aussicht auf Deeskalation besteht und Angriffe auf die Energie-Infrastruktur in der Golfregion anhalten. Dies führt zu ernsten Störungen in den Lieferketten, wie der Chemieverband VCI warnt, mit extremen Engpässen nicht nur bei Öl und Gas, sondern auch bei Rohstoffen wie Düngemitteln, Ammoniak, Phosphat, Schwefel und Helium. Infolgedessen hat die Chemieindustrie ihre komplette Jahresprognose zurückgezogen, was Konjunktursorgen weiter anheizt.
Notenbankpolitik und Zinserwartungen
Die steigenden Energiekosten setzen globale Notenbanken wie die Federal Reserve und die EZB unter Druck, die zuletzt ihre Leitzinsen gesenkt hatten, um die Konjunktur anzukurbeln. Nun wird bereits wieder über Zinserhöhungen diskutiert, mit Beratungen der EZB und Fed in der kommenden Woche über die nächsten Zinsschritte. Anleger hoffen noch auf einen "Trump-Put", also ein Eingreifen des US-Präsidenten bei stärkeren Marktturbulenzen, aber die Nervosität wächst täglich, besonders wenn die Straße von Hormus geschlossen bleibt und die Märkte in Richtung Stagflation tendieren könnten.
Maßnahmen zur Angebotsverbesserung
Um die Lage am Ölmarkt zu entspannen, haben die USA temporär den Kauf von russischem Öl erlaubt, allerdings nur für Öl, das sich bereits auf Schiffen befindet, wie US-Finanzminister Scott Bessent mitteilte. Diese befristete Ausnahme von Sanktionen soll bis zum 11. April gelten und soll das Angebot verbessern, doch die grundlegenden Spannungen bleiben bestehen, was weiterhin zu Volatilität an den Märkten führt.
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