Druck auf Gesundheitssystem: Primärarztsystem als Reformansatz auf Ärztetag diskutiert
Wichtige Fakten
- • Union und SPD planen Primärarztsystem für gesetzlich Versicherte.
- • 41 Prozent der Befragten berichteten von Problemen in der ärztlichen Versorgung.
- • 71 Prozent unterstützen laut Umfrage ein Primärversorgungssystem.
- • Laut Gesundheitsökonom könnten über zehn Prozent der Arztbesuche eingespart werden.
- • Kritiker befürchten Verzögerungen bei Diagnostik und Therapie.
Gesundheitsministerin Warken treibt Primärarztsystem voran
Das deutsche Gesundheitssystem steht unter Druck: Lange Wartezeiten, überfüllte Praxen und steigende Kosten erfordern Reformen. Beim Deutschen Ärztetag in Hannover diskutieren rund 250 Delegierte über die Einführung eines Primärarztsystems, das von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken geplant wird. Patienten sollen künftig zuerst zum Hausarzt gehen, der über eine Überweisung zum Facharzt entscheidet und schnellere Termine vermitteln kann. Eine Forsa-Umfrage zeigt, dass 71 Prozent der Befragten ein solches Modell unterstützen, während 41 Prozent Versorgungsprobleme erleben etwa durch lange Wartezeiten und Doppeluntersuchungen.
Experten sehen Chancen und Risiken
Gesundheitsökonom Boris Augurzky verweist auf eine Milliarde Arztbesuche jährlich, von denen über zehn Prozent durch Rezeptverlängerungen und Doppelkontakte vermeidbar wären. Internationale Vorbilder wie Dänemark zeigen gute Erfahrungen mit Hausarztmodellen. Allerdings warnt Augurzky vor Verzögerungen bei komplexen Fällen; entscheidend sei die digitale Patientenakte für eine reibungslose Kommunikation. Hausarzt Arne Krüger sieht das Modell bereits in seiner Praxis erfolgreich umgesetzt, zweifelt aber an großen Kosteneinsparungen. Orthopäde Justus Kreye sorgt sich um zeitnahe Diagnosen und Therapien, da Hausarztpraxen bereits jetzt überlastet sind.
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