Trumps 'Liberation Day': Ein Jahr danach bleibt die Zollbilanz ernüchternd
Wichtige Fakten
- • US-Handelsdefizit 2025 bei 901 Mrd. Dollar, kaum verringert trotz Zollerhöhungen.
- • US-Supreme Court kippte Zölle im Februar 2026, über 1.800 Firmen fordern Rückzahlungen.
- • Zölle wurden zu 96% an Verbraucher weitergegeben, belasten Familien mit 2.500 Dollar jährlich.
- • Industrie verlor 90.000 Jobs, Transportsektor 124.000 Stellen nach Zollwende.
- • Zölle spülten 290 Mrd. Dollar in Staatskasse, sind aber Tropfen auf heißen Stein.
Zollpolitik mit begrenzter Wirkung auf Handelsdefizit
Ein Jahr nach der Ankündigung umfassender Zollerhöhungen durch US-Präsident Donald Trump am sogenannten 'Liberation Day' zeigt die Bilanz ernüchternde Ergebnisse. Das Handelsdefizit der USA verringerte sich 2025 kaum: Es lag bei 901 Milliarden Dollar, nur zwei Milliarden weniger als im Vorjahr, wie das Bureau of Economic Analysis (BEA) mitteilte. Beim reinen Warenaustausch wurde das Defizit sogar größer. Die USA kaufen weiterhin mehr Waren aus dem Ausland ein als sie exportieren, was ökonomisch nicht zwangsläufig schlecht ist, wie Expert:innen betonen.
Hohe Kosten für Verbraucher und Jobverluste
Die Lasten der Zollpolitik tragen vor allem US-Verbraucher und Unternehmen. Laut Kieler Institut für Weltwirtschaft wurden 96% der Zollkosten an Käufer weitergegeben. Für eine amerikanische Familie bedeutet das eine jährliche Mehrbelastung von etwa 2.500 Dollar, so der Wirtschaftsausschuss des US-Kongresses. Gleichzeitig sind im Produzierenden Gewerbe 90.000 Stellen weggebrochen, im Transport- und Logistiksektor weitere 124.000. Die versprochene Rückkehr von Arbeitsplätzen und Fabriken blieb aus.
Rechtliche Rückschläge und diplomatische Folgen
Im Februar 2026 kippte der US Supreme Court die 'Liberation Day'-Zölle und verpflichtete die Regierung zur Rückzahlung eines Großteils der eingenommenen Gelder. Inzwischen klagen mehr als 1.800 Firmen auf Rückerstattung, darunter FedEx und Costco. Diplomatisch hat der unilateralistische Ansatz Partner vergrätzt und protektionistische Tendenzen anderswo gefördert. Kanada senkte etwa Zölle auf chinesische Elektroautos von 100% auf 6,1%, während die EU Freihandelsabkommen mit Australien, Indien und Mercosur-Staaten aushandelte.
Finanzmarktreaktionen und wirtschaftliche Folgen
Die Zölle lösten an den Finanzmärkten einen Schock aus: Weltweit stürzten Aktienkurse ab, der DAX verlor über 10%, und der Dollar schwächte sich ab. Trump musste die Zölle zeitweise aussetzen, nachdem das Schuldenmachen teurer wurde. Die Zölle spülten zwar 2025 rund 290 Milliarden Dollar in die Staatskasse, doch laut Ökonomin Samina Sultan sind dies "ein Tropfen auf den heißen Stein" angesichts der hohen US-Staatsverschuldung.
Neusortierung des Welthandels
Trumps Zölle haben den Welthandel durcheinandergewirbelt und neu sortiert. Während sich die USA abschotteten, rückten andere Länder enger zusammen. Das Handelsdefizit mit China blieb hoch, obwohl die Importe aus China um 30% einbrachen. Die Zölle trieben die Inflation an und belasteten die Wirtschaft. Die Regierung kündigte an, ihre Politik fortsetzen zu wollen, doch viele Versprechen des 'Liberation Day' sind nicht eingelöst worden.
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